Endgültiges Aus für Quelle

 

Das Traditionsversandhaus Quelle schließt nach 82 Jahren endgültig seine Pforten.

NÜRNBERG – Schock bei Quelle: Alle Verkaufsversuche sind fehlgeschlagen, die Aktivitäten der Versandhandelsgruppe in Deutschland werden abgewickelt. Das teilte der Insolvenzverwalter der Quelle-Mutter Arcandor, Klaus Hubert Görg, gestern am späten Abend mit.

Wie es für die rund 7000 Mitarbeiter – die meisten in der Region Nürnberg-Fürth – nun weitergeht, will Görg den Beschäftigten am Dienstag Nachmittag erläutern. Nach Berichten von n-tv, drohe  2/3 der Belegschaft die Erwerbslosigkeit. „Nach intensiven Verhandlungen mit einer Vielzahl von Investoren sehen der Insolvenzverwalter wie Gläubigerausschuss jetzt keine Alternative zur Abwicklung von Quelle Deutschland mehr“, so Görg wörtlich in einer Mitteilung.

Kernproblem beim Verkauf waren nach Görgs Angaben ungeklärte Fragen zum überlebenswichtigen Thema „Factoring“, also der Vorfinanzierung der Kundenbestellungen durch Banken. Ohne ein funktionierendes Factoring – die bisherigen Verträge laufen Ende des Jahres aus – sei die Suche nach einem Investor aussichtslos gewesen“, so Görg weiter. Anscheinend waren aber die Gläubigerbanken (bislang wurde das Factoring über die Essener Valovis-Bank abgewickelt) verständlicher Weise nicht bereit, weitere Risiken einzugehen.

Eine Kuriosität findet sich in der Aussage von Jörg Nerlich, dem Insolvenzbeauftragten für Quelle:

„Der Versandhandel funktioniert ohne Vorfinanzierung der Kundenbestellungen durch Banken nicht.“

Dem kann man nur entgegnen, dass der Versandhandel mit Vorfinanzierung der Kundenbestellungen, offensichtlich erst recht nicht funktioniert! Ansonsten wäre es wohl kaum zu Milliardenverlusten gekommen. Die Begründung dessen ist simpel, wie verständlich: allein die dafür benötigten Kredite sind so exorbitant Hoch und verursachen dementsprechend derart exorbitante Zinsbelastungen, dass der Kollaps vorprogrammiert ist.

Was am Ende zwangsläufig dabei heraus kommen muss, sieht man bei Arcandor, Primondo, Quelle und vielen anderen. Bedankt werden kann sich übrigens bei jenen, welche diesen Irrsinn vor Jahrzehnten erstmalig einführten, was widerum alle anderen zum „nachziehen zwang. Doch damit war es ja nicht genug. Man machte sich mit diesem irrwitzigen Modell der Funktionsweise  „heute kaufen – Monate später erst bezahlen“  sogar noch gegenseitig Konkurrenz, indem man Zahlungsziele weiter und weiter nach Hinten verschob und etwaige Zinssätze sogar auf „Null“ herunter fuhr.

„Konkurrenz belebt das Geschäft“ – so genannter „Wettbewerb“ stärkt die Wirtschaft“! So erklingt es noch heute aus den Mündern von Politikern, Managern, Funktionären und Konzernbossen. Man darf gespannt sein, wann all diese Leute endlich einmal zur Besinnung kommen. Offensichtlich waren weltweite finanzielle Schäden in Multibillionen Höhe noch nicht Anlass genug, um zu Verstand zu gelangen. „Alles auf Pump“ scheint nach wie vor die „Generallösung“ und der „Weisheit“ letzter Schluss zu sein. „Der Knall“ der letzten geplatzten Finanzblase ist noch nicht verhallt – schon wird eifrig und freilig an der nächsten Katastrophe gearbeitet. Doch was hat das schon die Manager und Konzernleitungen zu jucken!? Diese werden für angerichtete Schäden für gewöhnlich ja bis zum heutigen Tage mit keinem einzigen Euro herangezogen!

Die Regierungen und Wirtschaftsmogule dieser Welt scheinen absolut nichts aus der aktuellen Krise gelernt zu haben.
Man scheint nicht zu begreifen, dass „alles auf Pump“ direkt in den Abgrund führt. Ebenso scheint man nicht zu begreifen, dass Billionen Euro in den Händen weniger, keinerlei nennenswerte Wirtschaftskraft mehr auszuüben vermögen.

So kam auch bei Arcandor und Quelle niemand auf die Idee, dass solch dubiose Geschäftsmodelle irgendwann an ihre natürlichen Grenzen stoßen müssen – was einem jeder BWL-Student im ersten Semester vorrechnen kann – nicht aber die Verantwortlichen der großen Versandhäuser. Auch die in den letzten Jahren aufgehäuften Milliardenverbindlichkeiten gaben offensichtlich absolut keinerlei Grund zur Besorgnis.

Die Quittung für all diese Unfähigkeiten, folgte auf den Fuß.

„Das gesunde Auslandsgeschäft von Quelle soll nun – abgetrennt von den Aktivitäten in Deutschland – schnell verkauft werden, hieß es in der Mitteilung. „Die internationalen Gesellschaften verfügen nach wie vor über stabiles Geschäft. Gleiches gelte für den Einkaufssender HSE 24. Die überwiegend rentablen Spezialversender sollen ihr Geschäft selbstständig weiterführen“ hieß es.

Noch in der vergangenen Woche hatte der Insolvenzverwalter betont, dass es vier potenzielle Interessenten für Quelle gäbe. Um das Geschäft für den Frühjahr- und Sommerkatalog rechtzeitig anzustoßen, wollte Görg die Verhandlungen noch im Oktober zu einem Ergebnis zu führen. Das gestrige Scheitern der Gespräche hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. 

Man darf gespannt sein, wann das nächste große Versandhaus das Handtuch wirft.

Abschließend noch ein Zitat von Georg Christoph Lichtenberg:

„Ich weiss nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.“

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One Response to Endgültiges Aus für Quelle

  1. […] bedeutet wohl das endgültige Aus für Quelle, auch ein Schlag für die Region Mittelfranken in der Quelle am Standort Fürth einer der größten […]

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