Die Lehman-Lüge

 

  

Als die US-Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008 ihre Insolvenz erklärte, sah sich die Finanzwelt (angeblich) am Abgrund. Eine weitere Pleite dieser Art würde zum Zusammenbruch des gesamten Finanzsystems und der Weltwirtschaft führen, hieß es. Deshalb legten die Regierungen in den USA, England, Deutschland usw. die größten staatlichen Programme zur Bankenrettung der kapitalistischen Geschichte auf.

Lehman sei mit rund einer Billion (1000 Milliarden) US-Dollar bei anderen Banken und 16000 institutionellen Investoren verschuldet, lautete die Meldung, die von den Medien gern verbreitet wurde. Panikmache gehörte zum Geschäft. Die Katastrophe mußte möglichst groß sein, und die Gläubiger wollten Druck auf den Staat machen.

Außerdem mag sich Henry (»Hank«) Paulson, damals US-Finanzminister in der Regierung Bush, gefreut haben: Kurz zuvor war er noch Chef der größten US-Investmentbank Goldman Sachs. Den Untergang des Konkurrenten Lehman zu befördern und damit die staatlichen Hilfen auch für die eigene frühere Bank in die Höhe zu schrauben, könnte ihm durchaus als etwas Gutes erschienen sein.

Phantasiezahlen

Doch die zu diesem Zeitpunkt gar nicht nachprüfbaren Angaben über die Höhe der Schulden erweisen sich mittlerweile als Fake. Der gerichtlich eingesetzte Insolvenzverwalter Bryan Marsal kam nach Sichtung der Gläubigerforderungen jetzt zu einem ganz anderen Ergebnis: Die Gesamtverbindlichenkeiten von Lehman belaufen sich auf 200 bis maximal 240 Milliarden Dollar, also etwa ein Fünftel der ursprünglich behaupteten Summe.

Marsal fand heraus, daß die Gläubiger vielfach mit Phantasiezahlen gearbeitet und zum Beispiel ihre Forderungen mehrfach angemeldet haben: »Gläubiger haben ihre Forderungen gestellt an die Lehman-Tochter, mit der sie das Geschäft gemacht haben, an die Muttergesellschaft (in New York; d.Red.), die für die Tochter garantiert hat, und an denjenigen, der das Geschäft abgesichert hat.«

Der Insolvenzverwalter kommt zusammen mit dem gerichtlich bestellten Gutachter Anton Valukas (United States Bankruptcy Court Southern District of New York: In re Lehman Brothers Holdings Inc., Report) auch zu dem kaum überraschenden Ergebnis, daß die Bankmanager hochrangige Mittäter hatten.

Die »renommierten« Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young haben Buchführung und Bilanz bis zuletzt als ordentlich testiert, die »renommierte« Anwaltskanzlei Linklaters hat die in den Bankrott führenden Transaktionen rechtlich abgesichert. Ihre Mitschuld und Mithaftung zu prüfen hat sich Marsal allerdings bisher nicht vorgenommen. Rätselhafterweise bleiben die »renommierten« Ratingagenturen unbeachtet. Bei einer konsequenten Insolvenzabwicklung wären sie alle zu Schadenersatz heranzuziehen.

Bei Lehman führt Bryan Marsal etwas durch, was für bankrotte Unternehmen rechtlich vorgeschrieben und sowieso am besten wäre, was aber immer als unmöglich abgelehnt wird: Kontrollierte Insolvenz. Die größte Niederlassung außerhalb der USA hatte Lehman in London.

Sie wurde zum größten Teil von der japanischen Bank Nomura aufgekauft und wird fortgeführt. 2800 der 5300 Mitarbeiter wurden übernommen. Da wird also das Märchen widerlegt, bei einer Insolvenz würde alles »plattgemacht«.

Die Zentrale des Konzerns in New York wird unter der Leitung des Insolvenzverwalters und mit gerichtlicher Begleitung neu aufgestellt. Marsal legt dem Insolvenzgericht zur Fortführung des Unternehmens Reorganisationspläne vor. Der Name Lehman verschwindet, die neue Bank soll ab 1. Mai 2010 »Lamco« heißen, das ist die Abkürzung für Legacy Asset Management Company.

Lamco kann somit aus der Pleite ein neues Geschäft machen und würde zum größten Verwalter toxischer Papiere. Gläubiger wie die schweizerische Großbank UBS, die Footballmannschaft der New York Giants und die Abu Dhabi Investment Authority werden zu Miteigentümern.

Die neue Bank zahlt auch schon wieder Boni, um Manager zu halten, die sich mit »toxischen« Papieren besonders gut auskennen. Mit dem ehemaligen Konkurrenten und mächtigen Gläubiger JP Morgan wird ein Vergleich verhandelt – JP Morgan wird demnach für seine Forderung von 7,6 Milliarden Dollar eine Zahlung von 0,55 Milliarden geboten. Die in der Krise erstarkte Großbank würde deswegen nicht sterben (was ansonsten nicht zu bedauern wäre, sondern volkswirtschaftlich einen positiven Effekt hätte).

Marsal hält es für »höchstwahrscheinlich, daß ein Fall Lehman sich wiederholen wird. Jedenfalls solange sich nichts Grundlegendes bei den Finanzaufsichten, Finanzinstituten und Unternehmen ändert.« Beispielsweise dürfte das Unwesen mit den Kreditversicherungen nicht so weitergehen. Bleibt die Frage: Aber die Regierungen bemühen sich doch um »Regulierungen«? »Das ist nur Show«, so Marsal.

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