Festnahmen nach Zugunglück in Polen

 

 

Warschau – Beim schwersten Zugunglück des Landes seit mehr als zwei Jahrzehnten waren am Samstagabend zwei Personenzüge auf demselben Gleis aufeinander zugerast und frontal zusammengeprallt.

In beiden Zügen – einer fuhr in Richtung Warschau, der andere in Richtung Krakau – saßen zusammen rund 350 Passagiere.

Nach dem tödlichen Zugunglück in Polen plant die Staatsanwaltschaft, einen Bahnmitarbeiter anzuklagen. Der Mann werde beschuldigt, versehentlich das tödliche Zugunglück nahe Zawiercie in Südpolen verursacht zu haben, sagte der mit den Ermittlungen betraute Staatsanwalt Tomasz Ozimek.

 

 

Ein zweiter Mitarbeiter wurde ebenfalls zur Befragung festgenommenen. Die beiden Fahrdienstleiter hatten zur Unglückszeit in den Bahnhöfen an der Unfallstrecke zwischen Warschau und Krakau Dienst. Von dort aus sollten sie den Zugverkehr auf der betroffenen Strecke koordinieren, hieß es.

 

 

Der beschuldigte Bahnmitarbeiter habe einen der Züge auf das falsche Gleis gelassen, sagte Ozmiek. Er habe dem Mann die formelle Anklage noch nicht übergeben, da er in eine psychiatrische Klinik zur Behandlung gebracht worden sei, sagte Ozimek.

Der Mann stehe unter Schock und sein geistiger Zustand habe auch noch keine Befragung erlaubt, fügte der Staatsanwalt hinzu. Sollte er für schuldig befunden werden, drohen ihm bis zu acht Jahre Haft. Der polnische Fernsehsender TVN 24 berichtete, der Mann habe angeblich versucht, Aufzeichnungen über den Unfallhergang zu verfälschen, um Fehler zu vertuschen. Eine offizielle Bestätigung gab es jedoch nicht.

 

 

Offiziellen Angaben zufolge wurden bis Montag 15 der bislang 16 Todesopfer identifiziert. Unter ihnen seien eine US-Bürgerin sowie eine Russin. Hinweise auf deutsche Fahrgäste lagen nicht vor. 47 Menschen würden noch in Krankenhäusern behandelt. Der Zustand von vier Verletzten sei weiterhin kritisch, sagte Gouverneur Zygmunt Lukaszczyk.

In Polen galt bis Dienstag eine zweitägige Staatstrauer.

 

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