Das Geiseldrama von Gladbeck – SEK-Beamter packt aus: Silke Bischoff könnte noch leben

 

Silke Bischoff

 

Ein Bankraub mit anschließender Geiselnahme verändert ein ganzes Land. Im Jahre 1988 hielt das Geiseldrama von Gladbeck ganz Deutschland in Atem.

Der Ex-Elitepolizist Rainer Kesting redete erstmals über den Einsatz seines Lebens: das Gladbecker Geiseldrama im August 1988.

Er rechnet schonungslos ab – mit der Polizeiführung und mit sich selbst.

Frage: Sie waren als erster Anführer des Dortmunder Spezialeinsatzkommandos (SEK) vor Ort. Waren Sie hilflos?

Kesting: Nein. Die Polizei war nicht hilflos. Auch damals waren die Spezialeinheiten der Polizei sehr gut ausgerüstet und ausgebildet.

Zum Zeitpunkt von Gladbeck hatten die meisten SEK-Beamten bereits jahrelange Erfahrungen in der Terrorismusbekämpfung gesammelt.

Die SEKs der Länder haben bundesweit sämtliche Terroristen – bis auf die in Bad Kleinen – festgenommen, ohne jemanden dabei überhaupt zu verletzen.

Durch Anwendung von Technik, Planung und Taktik und durch hervorragende Ausbildung, Können und Selbstbewusstsein.

Frage: Sie hätten also die Geiselnehmer Rösner und Degowski in Gladbeck schon am Tatort gestellt?

Kesting: Die Spezialeinheit vor Ort hätte diese beiden Täter schnell stoppen können.

Frage: Das waren also für Sie keine eiskalten Profis?

Frage: Nein. Das waren zu diesem Zeitpunkt noch einfache Vorstadtganoven, die mit einem geklauten Moped zu einem Banküberfall gefahren sind.

Die Spezialeinheit hätte den Einsatz in Gladbeck spätestens am frühen Abend beenden können – mit zwei Festnahmen.

Frage: Wer hat denn das SEK gestoppt?

Kesting: Wir hatten zu dieser Zeit eine Einsatzleitung in Recklinghausen, die nicht die Erfahrung unserer Einheit kannte.

Man wusste leider nichts von der Technik, die wir einsetzen. Viele Dinge, die möglich gewesen wären, sind aus Unkenntnis untersagt worden – per Befehl.

Frage: Von der Polizeiführung in Recklinghausen?

Kesting: Ja. Die Behörde hat uns bei der Arbeit, die wir wirklich können, klar behindert.

Frage: Vor dem Veto hatten Sie genaue Kenntnisse über Abläufe in der Bank. Wie war das möglich?

Kesting: Wir hatten eine Wanze, ein Körperschallmikrofon, in der Bank platziert. Ebenso einen Schlauch mit einer Linse – zur Beobachtung der Innenräume.

Frage: Was haben Sie gesehen?

Kesting: Wir sahen, dass sich Rösner und Degowski im Kassenhäuschen mit seinen schusssicheren Scheiben verschanzt hatten. Die beiden Geiseln waren in einem dahinterliegenden Aufenthaltsraum eingesperrt.

Frage: Was sagte die Polizeileitung zu diesen Infos?

Kesting: Die sagten, das ist doch überhaupt nicht möglich, solche Infos zu besorgen. Und dann meinten sie, das SEK, diese Cowboy-Truppe, solle sich bloß zurückhalten.

Frage: Und da hatten Sie eine wagemutige Idee.

Kesting: Rösner und Degowski saßen in der Kassenbox wie in einem Käfig, die beiden waren doch wirklich schlichte Gemüter.

Nach meinem Plan wären wir mit einem gepanzerten Geländewagen von der Rückseite her voll durch die Scheibe gefahren. Bis vor das Schalterhäuschen. Das war möglich, da wir nur eine dünne Glasscheibe und einen niedrigen Mauersims vor uns hatten.

Dann hätten wir abgewartet, dass die Täter rauskommen. Das wäre eine einfache und praktikable Lösung gewesen und es hätte die Geiseln überhaupt nicht gefährdet.

Frage: Was hielt die Einsatzleitung von dem Plan?

Kesting: Sie hat es strikt verboten. Mit dem Unterton, man sei doch hier nicht im Wilden Westen.

Frage: Stattdessen sollten Sie den Verkehr regeln.

Kesting: Ich hab die Welt nicht mehr verstanden. Es hieß, wir gäben den Tätern freies Geleit.

Frage: Wie haben Sie sich da gefühlt?

Kesting: Es war unglaublich, dass sich Spezialbeamte jetzt die Uniform der Schutzpolizei anziehen mussten.

Wir sollten die Presse und die Gaffer zurückdrängen – damit die Täter unbehelligt davonfahren konnten. Dabei waren die schon fix und fertig.

Frage: Die erste große Chance zur Festnahme der Geiselnehmer war somit vertan. Wo und wann ergab sich die nächste Möglichkeit?

Kesting: Stunden später auf der Autobahnraststätte Grönegau bei Osnabrück.

Mitterweile war das Mobile Einsatzkommando (MEK) dran, das SEK hielt sich zurück. Täter und Geiseln saßen im Rasthaus, ganz entspannt.

Die Kollegen waren hautnah dabei, ein MEK-Pärchen saß sogar am Nebentisch. Und dann kam die Riesenchance …

Frage: Hundertpozentig sicher?

Kesting: Absolut. Rösner und seine Freundin Marion Löblich, die unterwegs zugestiegen war, gingen runter zur Toilette. Unten standen schon zwei Beamte. Einer funkte seinem Chef, Rösner stehe gerade hinten am Pissoir. Er fragte, ob er Rösner denn umhauen solle.

Frage: Hätte er das so schnell gekonnt?

Kesting: Rösner hätte gar nicht so schnell gucken können, wie er überwältigt worden wäre. Aber leider gabs keine Bestätigung der Einsatzleitung zum Zugriff.

Frage: Und was wäre mit Degowski geschehen?

Kesting: Er wäre zeitgleich ausgeschaltet worden.

Frage: Wie denn genau?

Kesting: Es gibt sehr effektive Nahkampftechniken. Würge- und Hebelgriffe, vielleicht auch ein Handkantenschlag auf die Halsschlagader, um die Zielperson für den Bruchteil einer Sekunde wehrlos zu machen.

Frage: Und das ohne den Einsatz von Schusswaffen?

Kesting: Ja. Die Situation auf der Raststätte Grönegau war wie aus einem Trainingsprogramm. Anfängerniveau, wie bei „Räuber und Gendarm“.

Das war nach der verpassten Chance in Gladbeck der zweite große Fehler.

Frage: Danach kam es zur Eskalation. In Bremen kapern die Gangster einen Bus mit 30 Fahrgästen. In der Autobahnraststätte Grundbergsee nehmen MEK-Leute Rösners Freundin Marion Löblich fest.

Daraufhin schießt Degowski dem 15-jährigen Emanuele de Giorgi aus nur zwei Zentimeter Entfernung eine Kugel in den Kopf. Der Junge stirbt. Wie verarbeitet man solche Dramen?

Kesting: Das verarbeiten? Irgendwann, später. Du musst dich auf die Sache konzentrieren, die noch läuft.

Frage: 18. August 1988, der dritte Tag des Dramas. Jetzt sitzen Silke Bischoff und Ines Voitle im Geiselauto und Sie waren mit Ihren Leuten wieder die Verfolger?

Kesting: Ja. Zusammen mit dem SEK Köln. Bei Wuppertal sind die an uns vorbeigefahren, wir haben uns drangehängt. Mit einigem Abstand.

Frage: Wo haben Sie die Spur wieder aufgenommen?

Kesting: In der Kölner Innenstadt, rein zufällig. Plötzlich fuhren sie mit ihrem erpressten 7er-BWM vor uns her.

Frage: Was sagte die Einsatzleitung, die mittlerweile nach Köln gewechselt war?

Kesting: Die waren empört und fragten uns, was wir dort überhaupt machten. Wir hätten dort nichts zu suchen.

Frage: Obwohl Sie so nah dran waren.

Kesting: Wir bekamen den Befehl, sofort abzubrechen und zum Polizeipräsidium zu kommen.

Frage: Kurz darauf rollte das Gangster-Auto in die Fußgängerzone, schon bald umringt von Dutzenden Gaffern und Reportern. Wie lautete Ihr neuer Auftrag?

Kesting: Meine Gruppe und ich wurden für den Notzugriff eingeteilt.

Frage: Was ist das, Notzugriff?

Kesting: Wenn die erste Gruppe den Zugriff macht und dieser klappt nicht, übernimmt die zweite Gruppe den Notzugriff, um Menschenleben zu retten.

Frage: Sie haben sich vor Ort umgesehen?

Kesting: Nein. Die Kölner Einsatzführung hat mich zunächst angewiesen, auf keinen Fall in die Breite Straße zu gehen, wo Rösner und Degowski schon die ersten Interviews gaben.

Frage: Haben Sie protestiert?

Kesting: Ja. Ich habe deutlich gesagt, dass ich einen Notzugriff nur machen kann, wenn ich über die Lage vor Ort informiert bin, weil ich bei einer Eskalation der Lage doch nicht mit meinen Leuten in den Tod laufen will.

Frage: Und dann?

Kesting: Ich bekam die Genehmigung, mit meinen Leuten in die Nähe des Autos zu gehen. Verbunden mit der Anordnung, die Waffen vorher abzulegen. Da habe ich wieder protestiert.

Frage: Was haben Sie gesagt?

Kesting: Soll ich etwa mit meinen Leuten zum Auto gehen und bei einer Eskalation erst 1000 Meter rennen, um unsere Waffen zu holen?

Frage: Wie ging der Streit aus?

Kesting: Die Einsatzleitung hat mir gesagt, dass ich strafrechtlich verfolgt werde, falls ich die Waffe nicht ablegen sollte.

Frage: Wie wurde der Konflikt gelöst?

Kesting: Ich habe angeordnet, dass die Waffen aus den Holstern genommen werden. Dann sind wir zum Tatort gegangen.

Frage: Also unbewaffnet.

Kesting: Natürlich nicht. Wir haben die Waffen dort getragen, wo man sie üblicherweise nicht trägt.

Frage: Wie nah kamen Sie an Rösner und Degowski heran?

Kesting: Sehr nahe. Unser komplettes Notzugriff-Team hatte sich an das Fahrzeug herangearbeitet.

Frage: Wen hatten Sie im Visier?

Kesting: Rösner, weil er als Anführer der Geiselnehmer auftrat. Meine Kollegen haben sich nahe bei Degowski positioniert, um ihn im Notfall ausschalten zu können.

Frage: Haben Sie Rösner angesprochen?

Kesting: Ja. Ich habe mich in das geöffnete Autofenster gebeugt, habe Rösner den Arm um den Nacken gelegt und gesagt: „Eh, Meister, is ja toll, wie du die Bullen hier vorführst.“

Frage: Wie hat er reagiert?

Kesting: Er stierte vor sich hin. Die Waffe hatte er aus der Hand gelegt, sie lag auf der Mittelkonsole. Hinten saß Degowski, fertig. Und daneben Silke Bischoff, die heute noch leben könnte.

Frage: Wie hätten Sie Rösner überwältigt?

Kesting: Ich war ja schon mit dem Arm und der Hand an seinem Hals. Ein Schlag auf den Kehlkopf hätte ihn ausgeschaltet, oder ich hätte ihn mit einem Spezialgriff, den wir doch schon tausendmal geübt haben, durch das geöffnete Fenster gezogen.

Er hätte nicht den Hauch einer Chance gehabt, zu seiner Waffe zu greifen.

Frage: Und dies alles ohne eine Gefährdung der Geiseln? Was wäre mit Degowski passiert?

Kesting: Zwei Beamte hätten zeitgleich Degowski ausgeschaltet. Von oben nach unten durch die hintere Scheibe, und von oben nach unten durch die Seitenscheibe. Dort, wo er saß.

Frage: Hätten Ihre Kollegen die Scheiben eingeschlagen?

Kesting: Nein, sie hätten schießen müssen.

Frage: Hätten Sie auch geschossen?

Kesting: Ja. Zwei Menschen waren bereits gestorben – der italienische Junge und kurz darauf ein Polizeibeamter bei einem Verkehrsunfall.

Wenn sich in Köln die Lage noch zugespitzt hätte, wäre der finale Rettungsschuss sicher berechtigt gewesen. Ja, ich hätte geschossen.

Frage: Vor laufenden Kameras?

Kesting: Ja. Falls hochgradig Gefahr besteht, dass weitere Menschen sterben müssen, kann es nicht entscheidend sein, ob da gerade eine Kamera läuft.

Frage: Wie haben Sie in Köln die beiden Geiseln Silke Bischoff und Ines Voitle erlebt?

Kesting: Silke Bischoff war diejenige, die auf alle im Fahrzeug beruhigend eingewirkt hat. Sie war sehr gefasst.

Sie ist sehr klug mit dieser stressigen Situation umgegangen. Dabei muss sie Todesängste ausgestanden haben.

Frage: Niemand vergisst das Foto, wie Degowski ihr den Revolver an den Hals drückt.

Kesting: Diese junge Frau hat meine Hochachtung. Ich glaube, sie war fest überzeugt, dass sie alles übersteht.

Frage: 90 Minuten nach der Abfahrt aus Köln sollte sie sterben. Wie erlebten Sie das Finale auf der Autobahn?

Kesting: Wir waren weiter das Notzugriff-Team und sind den Tätern mit einigem Abstand gefolgt. Als die Information eintraf, dass die Täter womöglich ein Krankenhaus ansteuern, hat man sich für den Zugriff entschieden.

Frage: Um 13.40 Uhr rammt ein Kölner SEK-Auto den Gangsterwagen. Die Beamten schießen 62-mal …

Kesting: Und die Täter schießen zurück. Eine Kugel traf dabei Silke Bischoff.

Frage: Laut Gutachten war es Rösners Kugel.

Kesting: Ich glaube nicht, dass Silke gezielt erschossen worden ist. Nein, Rösner, der die ganze Republik tagelang vorgeführt hatte, konnte es nicht fassen, dass jetzt endgültig Schluss ist.

Ich bin sicher, dass Rösner, der von hinten angegriffen wurde, sich umgedreht und einfach abgedrückt hat. Dabei traf er Silke Bischoff.

Frage: Diese Geschichte geht Ihnen nicht aus dem Kopf. Bleibt dieser Einsatz für Sie ein Trauma?

Kesting: Ein solcher Fall würde sich nicht wiederholen. Wir haben heute Polizei-Führungsstäbe, die ausschließlich für solche Lagen ausgebildet sind.

Frage: Haben Sie für sich Gladbeck verarbeitet?

Kesting: Ich habe im SEK viele Erfahrungen gesammelt. Und ich habe Sachen, die machbar waren, auch umgesetzt. Und galt dabei immer als besonnener Beamter.

Frage: Waren Sie das im Fall Gladbeck etwa nicht?

Kesting: Ich hätte den Zugriff in Gladbeck gemacht! Ich habe es nicht gemacht, weil man mir disziplinarische Maßnahmen angedroht hat.

Zum ersten Mal habe ich mich in Gladbeck gegen meine innere Eingebung entschieden, und zum zweiten Mal war das dann in Köln.

Ich hätte die beiden mit meinem Team locker aus dem Auto rausgeholt, da wäre keinem was passiert.

Frage: Leiden Sie noch unter dieser Entscheidung?

Kesting: Ich hätte es gemacht! Aber ich, Rainer Kesting, habe gekniffen. Ich war feige …

Frage: Fühlen Sie sich wirklich so?

Kesting: Doch, ich war feige. Weil ich Angst hatte vor einem möglichen Disziplinarverfahren, weil irgendeiner ein paar Schrammen hätte erleiden können.

Ich fühle mich mitverantwortlich dafür, dass Silke Bischoff sterben musste. Ich hätte es verhindern können!

Das hatte ich vor zehn Jahren nicht verarbeitet… und heute auch noch nicht…

Anm.d.Red.: Dass Rösner Silke Bischoff erschossen haben soll, ist nach wie vor als Vertuschungsmaßnahme von Polizei und Justiz zu betrachten.

Es spricht einfach zu viel dagegen, dass die tötliche Kugel aus Rösners Waffe stammte. Lesen Sie dazu bitte diesen Artikel:

Das Geiseldrama von Gladbeck: Sitzen alle Schuldigen im Knast?

 
                                                                                                                                 
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2 Antworten zu Das Geiseldrama von Gladbeck – SEK-Beamter packt aus: Silke Bischoff könnte noch leben

  1. burito sagt:

    die beiden gangster müßten doch eigtl wieder frei sein, oder jedenfalls ganz bald. 25 Jahre sind um.

    News Top-Aktuell:

    Laut unserer gegenwärtigen Informationslage wird Degowski gerade für die Entlassung vorbereitet. Diese Prozedur wir aber wohl etwa 2 Jahre in Anspruch nehmen.

    Rösner hingegen wird nie wieder ungesiebtes Licht sehen. Der wird absolut isoliert (kein Besuch dringt zu ihm vor), was einen nicht wundern muss: er könnte sonst mitteilen, dass ihm der Tot von Silke Bischoff in die Schuhe geschoben wurde. Das muss natürlich unter allen Umständen verhindert werden.

    Man kann sich in der Fantasie sicher vieles ausmalen und Spekulationene anstellen, aber in diesem Fall ist die Vertuschung sowas von offensichtlich, dass es nur so zum Himmel müffelt.

    Die Leittragenden sind die Angehörigen und tatsächlich auch Rösner, weil er für einen Mord sitzt, den er nach Lage der Fakten, mit überaus hoher Wahrscheinlichkeit gar nicht begangen hat.

    Doch auch über diesen Fall wird Gras wachsen… so wie schon über so Vieles Gras gewachsen ist.

  2. Michael Sax sagt:

    Ich möchte gar nicht wissen, ob der sogenannte Anästhesieunfall des Serienkillers Jürgen Bartsch in den 70ern tatsächlich ein Unfall war oder eher nicht. Die älteren Ärzte in den damaligen Kliniken haben sich teilweise vom Nationalsozialismus in die Demokratie herübergerettet und haben während des Krieges den Tod in allen Facetten erlebt. Was hätte da näher gelegen, dem Schicksal ein wenig nachzuhelfen und eine, ihrer Vorstellung nach, menschlichen Bestie den Garaus zu machen. Das Töten war für so manchen unter ihnen schließlich nichts Ungewöhnliches und bis auf einen einzigen Lagerarzt wurde ja keiner gehängt.

    Das ist natürlich reine Spekulation und lässt sich heute auch nicht mehr aufklären. Was aber leider Fakt ist, ist der Umstand, wie das Leben anderer allgemein geringsgeschätzt wird. Da wird, – ganz legal übrigens, – Schwerstpflegefällen in Heimen, deren Ende absehbar ist, der Flüssigkeitsbedarf so heruntergefahren, dass sie regelrecht verdursten. Und das mit der unglaublichen Begründung, sie würden das ohnehin nicht mehr mitbekommen. Woher nimmt das Personal diese Erkenntnis, wenn der Pflegebedürftige sich vielleicht wegen mehrerer Schlaganfälle überhaupt nicht mehr dazu äußern kann? Da wird über die Legalität von Sterbehilfe diskutiert, dabei geschieht sie schon jeden Tag.

    Ist es da verwunderlich, wenn kaum noch verhohlen Tatsachen verdreht werden und Leute wegen Verbrechen ins Gefängnis wandern, die sie gar nicht begangen haben. Und oftmals trotz besseren Wissens der Justizorgane. Siehe den Fall Harry Wörz. Wenn dann nicht zufällig ein Richter, der noch Berufsethik und Gerechtigkeitsempfinden im Leib hat, den Fall neu aufrollt, dann hat der Betreffende eben Pech gehabt und darf den Rest seines Lebens in der Psychiatrie oder im Gefängnis verbringen. Es lebe der Rechtstaat und das Grundgesetz, dass schon längst nicht mehr das Papier wert ist, auf dem es gedruckt wurde. Seine Väter, die es genau aus dem Grund verfassten, damit das Recht des Individuums nicht wieder pervertiert wird, würden im Grabe wie Propeller rotieren.

    News Top-Aktuell:

    Recht interessant, was Sis so schrieben, doch leider hat das irgendwie so gar nichts bis wenig mit dem hiesigen Artikel zu tun.

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