Das Leben des „Seewolfs“ Raimund Harmstorf

 

Der Seewolf 1971 - Raimund Harmstorf als Wolf Larsen

 

Er wuchs als Sohn eines Arztes in Hamburg auf und wurde Zehnkampfmeister in Schleswig-Holstein.

Der spätere Schauspieler studierte zunächst Medizin, dann Musik und darstellende Kunst.

Er spielte in zahlreichen Kino- und Fernsehrollen den Bösen und den Harten: Raimund Harmstorf.

Im wirklichen Leben dürfte er das genaue Gegenteil von „Böse“ und „Hart“ gewesen sein – viel mehr muss es sich bei Raimund Harmstorf um einen sehr fühlenden, sensiblen Menschen gehandelt haben.

Bekannt wurde er Anfang der 1970er Jahre durch die Hauptrolle im Abenteuer-Mehrteiler „Der Seewolf“.

Die Rolle des brutalen, unbarmherzigen „Wolf Larsen“ spielte Harmstorf mit Bravour.

Nicht umsonst wird seine Rolle als „Seewolf“ als der Höhepunkt seiner Karriere angesehen.

1978 spielte er im Film „Sie nannten ihn Mücke“ einen unbeliebten Football-Trainer und Widersacher von „Mücke“ (gespielt von Carlo Pedersoli, besser bekannt unter dem Namen Bud Spencer, † 27. Juni 2016 in Rom).

Harmstorf war auch regelmäßig als Theaterschauspieler zu sehen und trat zum Beispiel mehrfach in Karl-May-Bühneninszenierungen auf.

Nachdem seine Filmkarriere in den 1980er Jahren zum Erliegen kam, trat Harmstorf zwar noch in deutschen Fernsehproduktionen wie „Tatort“ auf, erhielt aber immer weniger Rollenangebote.

Harmstorf erlitt im Laufe seines Lebens bei mehreren Unfällen schwere Verletzungen.

Sein Fischrestaurant „Zum Seewolf“, das er in Deidesheim betrieb, musste Insolvenz anmelden.

In seinen letzten Lebensjahren litt der Schauspieler an der Parkinson-Krankheit.

Am 2. Mai 1998 berichtete die Bild-Zeitung unter der Schlagzeile „Seewolf Raimund Harmstorf in der Psychiatrie“ über die Krankheit des Schauspielers.

Daraufhin standen noch am selben Tag zwei Illustrierten-Reporter mit einer „Bild“-Zeitung vor der Haustür von Raimund Harmstorfs Bauernhaus im Allgäu.

„Seewolf Raimund Harmstorf in der Psychiatrie“ stand in großen Lettern auf der Titelseite und weiter: „Mit aufgeschnittenen Handgelenk von der Polizei aufgegriffen“.

In der dazugehörigen Geschichte schmolz das Leben von Raimund Harmstorf auf eine Ansammlung von Schicksalsschlägen und Unfällen zusammen:

„Harmstorf mit Gipsbein im Krankenhaus“
„Harmstorfs verunglückter Porsche“
„Harmstorf mit leerem Blick in einer Drehpause“

„Das ist ja verrückt, was da steht“, hatte der Schauspieler laut Aussage seiner Lebensgefährtin Gudrun Staeb noch gesagt.

Doch das war nicht das einzige was Harmstorf sagte, nachdem er den „BILD“-Artikel über sich gelesen hatte:  „Das ist mein Todesurteil“.

Nur wenige Stunden später vollzog er es.

Der Selbstmord von Harmstorf war für die „Bild“ der Super-Gau, wie ein leitender „Bild“-Redakteur im Rückblick einräumte.

Die beiden Reporter, die den Artikel geschrieben hatten, durften sich auch einen Monat nach dem Vorfall nicht dazu äußern – Anweisung der Chefredaktion.

Die Sache mit dem „zerschnittenen Handgelenk“, aus dem „das Blut tropfte“, nahm „Bild“ wenige Tage nach Harmstorfs Freitod eher beiläufig zurück.

In Wahrheit war der Zwischenfall wesentlich unblutiger verlaufen: Der Schauspieler litt seit 1994 an der Parkinsonschen Krankheit, weshalb er mit einem Medikament behandelt wurde, zu dessen Nebenwirkungen Alpträume, Angstzustände und Halluzinationen zählten.

Um die Symptome vor der Öffentlichkeit zu verbergen und weiterhin Theater spielen zu können, nahm Harmstorf ziemlich viele Tabletten am Abend des 5. April ein – leider zu viele.

Als er bereits kurz vor der Ohnmacht stand, rief er den Notarzt. Von der Intensivstation verlegte man ihn später auf die psychiatrische Station des Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren.

Auch lag Raimund Harmstorf nie „in der geschlossenen Abteilung“, wie „Bild“ zu berichten wusste, sondern wurde in einer offenen Therapie behandelt.

„Seit Jahren werden die wenigsten Patienten in geschlossenen Abteilungen behandelt. Vielmehr ist es üblich, sie mit Medikamenten und begleitender Psycho- oder Gesprächstherapie zu heilen“, sagt Dr. Bernd Ahrens, Oberarzt der Psychiatrischen Klinik der Freien Universität Berlin.

Der Großteil der Patienten werde bereits nach vierzehn Tagen im Rahmen einer sogenannten „sozialen Belastungstherapie“ nach Hause geschickt, um sich in einem alltäglichen Umfeld zurechtzufinden.

Raimund Harmstorf kam rund vier Wochen nach seiner Tablettenvergiftung nach Hause.

Am Morgen des 1. Mai wurde er von seiner Freundin Gudrun Staeb aus der Klinik abgeholt – zu einem Zeitpunkt, als ihn die „Bild“-Reporter noch „völlig abgeschottet von der Außenwelt“ wähnten.

Diesen Unsinn laß auch Raimund Harmstorf, der für das Wochenende einen Ausflug geplant hatte – doch dazu kam es nicht mehr.

Nach dem ersten Schock telefonierte der Schauspieler mit Freunden – am späten Nachmittag mit seinem Arzt.

Gemeinsam verabredete man einen früheren Beginn der Reha-Behandlung – eine sofortige Rückkehr ins Krankenhaus lehnte Harmstorf jedoch ab, aus Angst, dass ihn vor der Klinik bereits Reporter erwarten würden.

Das RTL-Magazin „Explosiv“ griff den „Bild“-Artikel auf und erzählte zweieinhalb Millionen Zuschauern, dass sich Harmstorf „nach einem blutigen Selbstmordversuch in der Psychiatrie befindet“ – doch der war zu Hause… ging nach dem Bericht ins verdunkelte Schlafzimmer… und beobachtete die Straße vor seinem Haus.

Am nächsten Morgen fand die Lebensgefährtin Raimund Harmstorf erhängt auf dem Dachboden seines Bauernhauses und erlitt einen Nervenzusammenbruch.

Die Polizeidirektion Kempten konnte sich nie erklären, wie die Legende vom „aufgeschnittenen Handgelenk“ in die Welt gekommen ist. „So einen Vorfall hat es hier nie gegeben“, teilte die Polizei mit.

Man habe die Geschichte „nach besten Wissen und Gewissen“ publiziert, sagte damals „Bild“-Chef Udo Röbel.

„Der Stand unserer Recherche war der, dass Herr Harmstorf noch am Freitag in der Klinik war“, so der „BILD“-Chef – eine Recherche, bei der weder der behandelnde Arzt kontaktiert wurde, noch Harmstorf selbst – typisch Lügengazette „BILD“ also.

„Zu keinem Zeitpunkt haben Reporter der „BILD“ Raimund Harmstorf in seinem Haus bei Kempten aufgesucht“, stand in einer Mitteilung der Chefredaktion.

„Hätte ich gewußt, dass sich Harmstorf an dem Wochenende nicht unter ärztlicher Aufsicht befindet, wäre die Schlagzeile nicht erschienen“, so Chefredakteur Röbels dumme Ausrede.

Um das zu erfahren, hätte ein Anruf ausgereicht. Schließlich war Harmstorf bereits am Tag vor der Veröffentlichung aus der Klinik abgeholt worden.

Die Reporter hatten wohl Angst, die Geschichte könnte im letzten Moment kippen, wenn sie den Schauspieler mit der „BILD-Version“ seines Lebens konfrontieren würden.

Für den psychisch instabilen und sensiblen Menschen Raimund Harmstorf muss der Artikel in der „BILD“ wie ein Schlag ins Gesicht gewesen sein.

„Wir wussten seit mehreren Wochen von Harmstorfs Zustand. So eine Story kann nicht ewig liegen“, sagte ein Redakteur – ein weiterer Schlag ins Gesicht des dann toten Schauspielers Raimund Harmstorf.

Nach dem Selbstmord versuchte sich „BILD“ in Schadensbegrenzung.

Tagelang wurden Bekannte des Schauspielers zitiert, die den Suizid kommen sahen.

Ein „enger Vertrauter der Familie“ wusste gar zu berichten, dass sich Harmstorf noch während der Behandlung mit einem langen Messer eine Wunde am Hals zugefügt hat – ebenfalls ein Vorfall, an den sich in der Klinik niemand erinnert.

Rund eine Woche später wurde der Fall Raimund Harmstorf journalistisch abgeschlossen.

Zum Gedenken an Raimund Harmstorf haben wir einige legendäre Filmausschnitte und Produktionsnotizen zusammengestellt (siehe Video).

 

 

Raimund Harmstorf wählte den Freitod und starb am 3. Mai des Jahres 1998 auf dem Dachboden seines Bauernhauses.


Möge er in Frieden ruhen.

                                                                                                                                
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2 Responses to Das Leben des „Seewolfs“ Raimund Harmstorf

  1. Guntram sagt:

    PRESSEMORD AN HARMSTORF

    Die Presse heult, die Presse hetzt,
    und wenn sie ihre Lügen schwätzt,
    dann hat sie ganz alleine,
    trotz Lügen, lange Beine.

    Wer Lügen spricht, dem glaubt man nicht,
    wie manche deutsche Mutter spricht,
    doch stört das nicht die Presse,
    nicht Staat und nicht Mätresse.

    Denn Huren ist das einerlei,
    die sind mit Lügen leicht dabei,
    gleich so wie Presse-Huren,
    die falsche Eide schwuren.

    Der Presse ist das freigestellt,
    auch wenn sie dickste Lügen bellt,
    und keiner wird sie rügen,
    der Bürger muss sich fügen.

    Der Staat hält seine „Vaterhand“,
    über der Presse Lügen-Schand‘;
    er braucht sie zum Regieren,
    muss drum die Presse schmieren.

    Auch wenn die Press‘ die Ehre raubt,
    sich quasi einen Mord erlaubt,
    wird mancher mal so eben,
    zum Abschuss freigegeben.

    Dem Reimund Harmstorf ging es so,
    Bild-Zeitung blies zum Horrido,
    sie hat den Mann erledigt,
    und Lügen nur gepredigt.

    Rufmord gehört zum Presserecht,
    in dieses Staates Rechtsgeflecht;
    und Gras wächst über Leichen,
    den armen wie den reichen.

    Raimund Harmstorf (1939-1998), der typische Hamburger Junge war Sohn eines Arztes, er wurde Zehnkampfmeister in Schleswig-Holstein, studierte Medizin und Musik und darstellende Kunst. Im Jahre 1971 spielte er in dem Mehrteiler „Der Seewolf“, als raubeiniger Robbenfängerkapitän „Wolf Larsen“, die Rolle seines Lebens. Harmstorf erlitt im Laufe seines Lebens bei mehreren Unfällen schwere Verletzungen. In seinen letzten Lebensjahren litt der Schauspieler an der Parkinson-Krankheit und hatte auch seelische Probleme, nachdem neue Rollenangebote ausblieben. Am 2. Mai 1998 berichtete das Schmierenblatt „Bild-Zeitung“ unter der Schlagzeile „Seewolf Raimund Harmstorf in der Psychiatrie“ eine von Anfang bis Ende frei erlogene Storry, worauf sich der gesundheitlich angeschlagene, sensible Harmstorf in der darauffolgenden Nacht erhängte.

    TÄTER: BILD-ZEITUNG – OPFER: REIMUND HARMSTORF

  2. FanvonMichaelS. sagt:

    Es ist eine schreckliche Geschichte, die ich ohne euch so nicht erfahren hätte. Ekelhafte Brut, diese BLÖD-Schmierfinken.

    Es gab mal einen tollen Song von Reinhard Mey:
    „Was in der Zeitung steht.“.
    Eine Zeile daraus: „Verantwortung? Man, wenn ich DAS schon hör..“
    Ein armes Menschenkind, ich bin erschüttert..

    WAS IN DER ZEITUNG STEHT SONGTEXT

    Wie jeden Morgen war er pünktlich dran,
    Seine Kollegen sahn ihn fragend an-
    „Sag mal, hast du noch nicht gesehn. was in der Zeitung steht?
    Er schloss die Türe hinter sich,
    Hängte Hut und Mantel in den Schrank, fein säuberlich,
    Setzte sich. „na, wolln wir erst mal sehn, was in der Zeitung steht!“
    Und da stand es fett auf Seite zwei,
    „Finanzskandal!“ sein Bild dabei
    Und die Schlagzeile: „Wie lang das wohl so weitergeht?!“
    Er las den Text, und ihm war sofort klar:
    Eine Verwechslung, nein, da war kein Wort von wahr,
    Aber, wie kann etwas erlogen sein. was in der Zeitung steht?

    Er starrte auf das Blatt, das vor ihm lag,
    Es traf ihn wie ein heimtückischer Schlag,
    Wie ist es möglich, dass so etwas in der Zeitung steht?
    Das Zimmer ringsherum begann sich zu drehn,
    Die Zeilen konnte er nur noch verschwommen sehn,
    Wie wehrt man sich nur gegen das, was in der Zeitung steht?
    Die Kollegen sagten, „Stell dich einfach stur!“
    Er taumelte zu seinem Chef, über den Flur
    „Aber, selbstverständlich, dass jeder hier zu Ihnen steht!
    Ich glaub‘, das beste ist, Sie spannen erst mal aus.
    Ein paar Tage Urlaub, bleiben Sie zu Haus‘,
    Sie wissen ja, die Leute glauben gleich alles, nur weil’s in der…

    Er holte Hut und Mantel, wankte aus dem Raum,
    Nein, das war Wirklichkeit, das war kein böser Traum,
    Wer denkt sich sowas aus, wie das. was in der Zeitung steht?
    Er rief den Fahrstuhl, stieg ein und gleich wieder aus,
    Nein, er ging doch wohl besser durch das Treppenhaus,
    Da würd‘ ihn keiner sehn, der wüsste, was in der Zeitung steht!
    Er würde durch die Tiefgarage gehn,
    Er war zu Fuß, der Pförtner würde ihn nicht sehn,
    Der wusste immer ganz genau, was in der Zeitung steht.
    Er stolperte die Wagenauffahrt rauf,
    Sah den Rücken des Pförtners. das Tor war auf.
    Das klebt wie Pech an dir, das wirst du nie mehr los, was in der…

    Er eilte zur U-Bahn-Station,
    Jetzt wüssten es die Nachbarn schon,
    Jetzt war’s im ganzen Ort herum, was in der Zeitung steht.
    Solang die Kinder in der Schule, war’n.
    Solange würden sie es vielleicht nicht erfahr’n,
    Aber irgendwer hat ihnen längst erzählt, was in der Zeitung steht.
    Er wich den Leuten auf dem Bahnsteig aus, ihm schien
    Die Blicke aller richteten sich nur auf ihn,
    Der Mann im Kiosk da, der wusste Wort für Wort, was in der Zeitung steht.
    Wie eine Welle war’s, die über ihm zusammenschlug,
    Wie die Erlösung kam der Vorortzug!
    Du wirst nie mehr ganz frei, das hängt dir ewig an, was in der Zeitung steht.

    „Was wolln Sie eigentlich?“ fragte der Redakteur,
    „Verantwortung, Man wenn ich das schon hör‘!
    Die Leute müssen halt nicht alles glauben, nur weil’s in der Zeitung steht‘.
    Na schön, so ’ne Verwechslung kann schon mal passiern,
    Da kannst du auch noch so sorgfältig recherchiern,
    Mann, was glauben Sie, was Tag für Tag für’n Unfug in der Zeitung steht!“
    „Ja“, sagte der Chef vom Dienst, „das ist wirklich zu dumm
    Aber ehrlich, man bringt sich doch nicht gleich um,
    Nur weil mal aus Versehn was in der Zeitung steht.“
    Die Gegendarstellung erschien am Abend schon
    Fünf Zeilen, mit dem Bedauern der Redaktion,
    Aber Hand aufs Herz, wer liest, was so klein in der Zeitung steht?

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