Vorsicht Betrug! Zeolith (Zeobent, Bentonit usw)

12. Februar 2018

 

Ist es nicht seltsam?! Im neunzehnten Jahrhundert gab es jede Menge Ruß in der Luft und weitere Giftstoffe. Nichts war nötig zur Erhaltung der Gesundheit. Heute dagegen…

Heute gibts jede Menge findige Lügner(innen) und Betrüger(innen) die ein „Wundermittelchen“ nach dem anderen aus dem Hut zaubern.

Da ist von „Entsäuern“, „Entgiften“ und „Entschlacken“ des Körpers und des Organismus die Rede. Zeolith ist auch so ein „Star“ am Detox-Himmel.

Dem Vulkanmineral werden zahlreiche Wirkungen angedichtet: Fein gemahlen und als Kapsel oder Pulver geschluckt, soll es unter anderem wie ein Filter Schadstoffe, wie Schwermetalle und Stoffwechselgifte binden und aus dem Körper schleusen.

Es soll freie Radikale neutralisieren und so das Immunsystem unterstützen – das versichern zumindest die Hersteller und Vertreiber.

Zudem wird behauptet, dass eine regelmäßige Entgiftung des Körpers eine „wichtige Rolle“ beim Kampf gegen Krankheiten wie Herz-Kreislaufbeschwerden, Burn-Out, Diabetes und Krebs spielt.

Tatsächlich bilden Zeolithe eine Stoffgruppe, deren Mitglieder sowohl in der Natur vorkommen als auch synthetisch hergestellt werden.

Dank ihrer mikroporösen Gerüststruktur werden Zeolithe als Ionenaustauscher, beispielsweise zur Wasserenthärtung in Waschmitteln oder zur Beseitigung von Schwermetallen aus Abwässern verwendet.

Ebenso werden sie als Trocknungssystem in Geschirrspülern eingesetzt. Außerdem können sie sowohl als Molekularsieb wie auch als Katalysator dienen.

„Schwermetallausleitung“, „Entsäuerung“, „Darmreinigung“, „Detox“

Im Internet sind viele Lügner(innen) und Betrüger(innen) unterwegs. Insbesondere bei Youtube kann man auf diese stoßen.

Sie grinsen oftmals breit über das ganze Gesicht und nennen sich (unter vielen weiteren Lügnerinnen und Lügnern) zum Beispiel „Carolin Tietz“, „Rosenholm“, „Nadine Hagen“, „Werner Ullrich“, „Walter Häge“, „die Rohkostfamilie“, „sundancefamily“ und so weiter und so weiter.

 

 

Diese Leute möchten wahlweise gern unsinnige Bücher oder auch unsinnige Geräte oder Mittelchen zu horrenden Preisen an uninformierte Gutgläubige verkaufen.

Obwohl die Hersteller von „Detox-Zeolith“ einen Wirksamkeitsnachweis schuldig bleiben, wäre aufgrund der physikalisch-chemischen Eigenschaften dieser Stoffgruppe zumindest denkbar, dass Giftstoffe aus der Nahrung von Zeolithen gebunden werden könnten.

Im Körper gespeicherte Gifte und angebliche „Schlacken“ können auf diese Weise jedoch nicht entfernt werden.

 

 

„Tatsächlich werden Halbwahrheiten zusammengerührt und mit haarsträubenden Begründungen zu einem Konzept erhoben, das keiner wissenschaftlichen Überprüfung standhalten würde“, erklärt Prof. Stephan Bischoff, Ernährungsmediziner an der Universität Hohenheim.

Die Organisation „Sense about Science“ aus Großbritannien hat die Hersteller zahlreicher „Detox-Produkte“ gebeten, die Wirkungsweise ihrer Produkte zu erklären und Nachweise zur Wirksamkeit vorzulegen.

Die Ergebnisse sind ernüchternd: Jeder Hersteller verwendete eine andere Definition von „Detox“ und in vielen Fällen wurden falsche Aussagen zur Funktionsweise des menschlichen Körpers gemacht.

Falls überhaupt etwas vorgewiesen werden konnten, so waren es sogenannte „Studien“ mit kleinen Probandenzahlen ohne Kontrollgruppe. So jagt eine wertlose sogenannte „Studie“ die andere.

Während also medizinische Nachweise zur Wirksamkeit und Risiken von angeblichen „Detox-Produkten“ auf sich warten lassen, werden besorgniserregende Fälle von Menschen bekannt, die sich mit diesen angeblichen „Detoxmittelchen“ die Gesundheit ruiniert haben.

Bei einem 19-jährigen Mann führte beispielsweise eine im Internet angepriesene „Detox-Kur“ zur Entwicklung eines Serotonin-Syndroms. Bei zahlreichen anderen Menschen trat dieselbe Symptomatik auf.

In einem anderen Fall verstarb ein 50-Jähriger Spanier an einer Manganvergiftung, nachdem er im Rahmen einer „Leber-Detox-Diät“ Bittersalz zu sich genommen hatte.

Man schenke irgendwelchen angeblichen „Detoxmittelchen“ also besser kein Vertrauen, da das schlimme Folgen nach sich ziehen kann.

Übrigens! Der menschliche Körper entgiftet sich laufend selbst.

„Unsere Nieren, unsere Leber und unser Gastrointestinaltrakt sind alle darauf ausgelegt, Toxine innerhalb weniger Stunden nach der Ingestion zu entfernen oder zu neutralisieren“, erläutert Prof. Simon Brooks, Leiter der Abteilung für Humanphysiologie an der australischen Flinders University.

Hinweise darauf, dass sich im Laufe der Zeit irgendwo im Körper „Schlacken“ ansammeln, gibt es nicht – der Begriff stammt übrigens aus der Metall-, Öl- und Kohleindustrie. Als „Schlacke“ werden dort Rückstände bei Verarbeitungs- und Verbrennungsprozessen bezeichnet.

Brooks ist daher klar, dass „Detox“ absoluter Unsinn ist.

Auch Bentonit wird gern von selbsternannten „Heilern“ und ähnlichen Quacksalbern für teures Geld zum Kauf angeboten.

„Gibt es evidenzbasierte Daten, dass Bentonit in irgendeiner Weise geeignet ist für eine innerliche Anwendung?“

Antwort von Dr. Hiltrud von der Gathen:

Die kurze Antwort auf die Frage, ob es evidenzbasierte Daten für eine innerliche Anwendung von Bentonit gibt, lautet: nein.

Bentonit ist als Gestein eine Mischung aus verschiedenen Mineralien. Es zeichnet sich durch eine starke Wasseraufnahme- und Quellfähigkeit aus.

Mit Wasser vermischt entsteht eine thixotrope Flüssigkeit, welche zum Beispiel bei der Erstellung von Schlitzwänden bei Baugrubensicherungen zum Einsatz kommt.

Neben der Bautechnik wird es unter anderem in der Bergbau- und Bohrtechnik eingesetzt, bei der Kosmetik- und Keramikherstellung und ist wegen seiner absorbierenden Eigenschaften Bestandteil von Katzenstreu.

Gartenteiche und Aquarien werden damit von Schwermetallen und Schwebestoffen befreit. Daraus jedoch eine positive Wirkung auf den Menschen abzuleiten, ist schlichtweg nicht nur verwegen, sondern gesundheitsschädlich.

Bentonit wurde unter der Bezeichnung E 558 als Lebensmittelzusatzstoff in der Getränkeindustrie verwendet. Seit dem 31. Mai 2013 ist es nicht mehr zugelassen (Verordnung, EU, Nr. 380/2012 vom 3.5.2012) und darf nach einer Übergangsfrist seit dem 1. Februar 2014 nicht mehr verwendet werden, da es Aluminium enthält.

Der größte Knackpunkt ist der Nachweis der Unbedenklichkeit. Dieser ist für eine innerliche Anwendung von Bentonit in keiner Weise gegeben, egal für welche Anwendung. Im Gegenteil! Es ergeben sich erhebliche Sicherheitsbedenken.

„Wie sieht es mir äußerlicher Anwendung aus?“

Eine äußerliche Anwendung ist ebenfalls nicht empfehlenswert, weil Bentonit die Poren verstopfen und die Haut ersticken kann.

                                                                                                                                
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