Der Weg in die deutsche Teilung – Teil 1

12. November 2018

 

 

Da dieses Thema etwas länger ist, haben wir uns dazu entschlossen, einen Mehrteiler daraus zu machen. Es geht um die Teilung Deutschlands und wie es dazu kam.

Offiziell am 5. Juni (eigentlich schon am 8. Mai) des Jahres 1945 übernahmen die vier alliierten Mächte (USA, Sowjetunion, Großbritannien, Frankreich) die Hoheitsrechte über Deutschland, einschließlich aller Befugnisse der deutschen Regierung, des Oberkommandos der Wehrmacht, der Verwaltungen und Behörden der Länder, sowie der Städte und Gemeinden (Berliner Deklaration).

Deutschland wurde in vier Besatzungszonen, sowie Berlin in vier Sektoren aufgeteilt.

Die östlichen Gebiete Deutschlands bis zur Oder-Neiße-Linie wurden abgetrennt und von Stalin zunächst eigenmächtig verwaltet – schließlich jedoch, mit Billigung der Westmächte, sowjetischer bzw. polnischer Verwaltung übergeben.

Die Ausübung der obersten Gewalt in einer Besatzungszone erfolgte durch den dortigen Oberbefehlshaber. In allen Angelegenheiten seiner Zone war er nur gegenüber seiner Regierung verantwortlich.

Um „eine angemessene Einheitlichkeit des Vorgehens“ in „allen Deutschland (als Ganzes) betreffende Angelegenheiten“ zu erreichen, bildeten die Oberbefehlshaber der Besatzungszonen den ‚Alliierten Kontrollrat‘ als Kollektivorgan.

Der ‚Alliierte Kontrollrat‘, mit Sitz in Berlin, war die oberste Instanz der vier Siegermächte. Er hatte die zentrale Gewalt in allen Fragen, die das gesamte Besatzungsgebiet betrafen. Eine einstimmige Beschlussfassung war erforderlich.

Inhaltliche Auseinandersetzungen über Probleme, die der Kontrollrat zu regeln hatte, fanden in der Regel im Vorfeld, im Koordinierungsausschuss, statt.

Die Oberbefehlshaber beschränkten sich im Wesentlichen auf die Beschlussfassung. Die gemeinsame Verwaltung Berlins erfolgte in der ‚Kommandantur‘, die direkt dem Kontrollrat unterstand.

Demographische, wirtschaftliche und soziale Kriegsfolgen

Bevölkerungsverlust: 5,5 – 6 Millionen Deutsche; 11 Millionen Kriegsgefangene im Gewahrsam der Siegermächte, davon 3,1 Millionen in der UdSSR.

Bis zum Jahresende 1946 kamen mehr als 10 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den abgetrennten Ostgebieten in die vier alliierten Besatzungszonen.

Die Gesamtbilanz nennt über 16 Millionen Menschen, die nach dem Ende der NS-Herrschaft das Schicksal von Flucht und Vertreibung traf und die in der „Bundesrepublik“ sowie in der „DDR“ eine neue Heimat fanden.

Große Teile der Industrieanlagen waren während des Kriegswaffengebrauchs zerstört worden.

Dazu kamen noch Maßnahmen der Alliierten zur Entflechtung der Großindustrie sowie die Entnahme von Reparationen.

Da etwa ein Viertel der landwirtschaftlichen Nutzflächen im Osten verloren gegangen war, konnte die deutsche Landwirtschaft nur noch etwa 35 Prozent der Ernährung sichern.

Vor dem Krieg hatte der Grad der Selbstversorgung noch bei 80 Prozent gelegen.

Zur Ernährungskrise kam die Kohlenkrise. Die deutsche Kohle wurde von den Alliierten streng bewirtschaftet und – trotz Kohlemangel in Deutschland – weit unter dem Weltmarktpreis verkauft.

Da die Erlöse nicht in Devisen, sondern nur in Reichsmark gutgeschrieben wurden, blieb der Export von Kohle ohne günstige Auswirkung auf die deutsche Wirtschaftsbilanz. Bemühungen, die Kohleförderung zu steigern, scheiterten weitgehend.

Die Kohle war nicht nur der wichtigste Rohstoff der deutschen Industrie, sondern auch Voraussetzung für das Funktionieren des Verkehrs- und Transportsystems. Außerdem war Kohle der wichtigste Energieträger der privaten Haushalte.

Der strenge Winter 1946/47 wurde zur Katastrophe: Ernährung, Energieversorgung und Verkehr brachen zusammen. Das Eingreifen der Besatzungsmächte verhinderte das Schlimmste.

In den Großstädten war mehr als die Hälfte des Wohnraumbestandes von 1939 durch die Flächenbombardements der Alliierten und die Kampfhandlungen zerstört worden.

13,7 Millionen Haushaltungen standen nur 8,2 Millionen Wohnungen gegenüber. Viele Kommunikations- und Verkehrsverbindungen waren vernichtet.

Die persönliche Situation der meisten Menschen in Deutschland war schwierig, oft katastrophal. Millionen Deutsche lebten buchstäblich in Trümmern.

Vor allem herrschte ein Mangel an Nahrungsmitteln. Hatte der durchschnittliche Kalorienverbrauch pro Tag und Person in Deutschland im Jahre 1936 mit 3113 Kalorien noch über der vom Völkerbund empfohlenen Norm von 3000 Kalorien gelegen, so war er zum Frühjahr 1945 auf 2010 abgesunken, um 1946 bei 1451 täglichen Kalorien einen Tiefststand zu erreichen.

In der US-Zone lag der Durchschnitt bei 1564, in der französischen Zone bei 1209 Kalorien pro Kopf. Entscheidend war auch der Mangel an tierischem Eiweiß und Fett. Das „Hamstern“ wurde zum Standard, denn es gehörte zum Überlebenskampf.

Im November 1945 gründeten in den USA 22 Wohlfahrtsverbände die private Hilfsorganisation CARE (Cooperative for American Remittances to Europe).

Ziel dieser Organisation war es, Hilfsaktionen für Europa zu organisieren. Die ersten „CARE-Pakete“ erreichten Europa am 11. Mai 1946.

Am 15. Juli 1946 trafen die ersten dieser Nahrungsmittelpakete in Deutschland ein.

Allein bis 1950 erreichten über fünf Millionen CARE-Pakete Deutschland als Hauptabnehmerland. Im selben Zeitraum gelangten 726.000 Pakete nach Österreich und jeweils eine halbe Million nach Großbritannien und Frankreich.

Auch andere europäische Länder wurden bedacht, allerdings in wesentlich geringerem Umfang.

Bis zum März 1947 bestand der Inhalt der CARE-Pakete aus der nun überflüssig gewordenen Feldverpflegung, welche die Armee für die GIs in ihren Depots gelagert hatte.

Danach wurden Pakete verschickt, deren Inhalt die Organisation selbst zusammenstellte. Ein Paket wog rund zehn Kilogramm.

Ziele der Besatzungsmächte

Unmittelbar, nachdem die Schusswaffen schwiegen, verfolgten die Siegermächte folgende Ziele:

Frankreich = Ausschaltung Deutschlands als Machtfaktor.
Großbritannien = Begrenzung des Einflusses der UdSSR.
USA = Allmacht und Erstellung eines Weltmarktes („Open-Door-Policy).
UdSSR = Begrenzung der Macht Mitteleuropas.

Schon ein Jahr nach Schusswaffenstillstand gaben die USA ihr Prinzip der ’strikten Niederhaltung‘ Deutschlands auf.

Angesichts des erneuten Ausbruchs des Konfliktes mit der Sowjetunion sollte die durch den Krieg schwer geschädigte Wirtschaft Europas  gestärkt und insbesondere der Wiederaufbau Westdeutschlands gefördert werden.

Gemeinsames Ziel der Westmächte war die Einbeziehung Westdeutschlands in ihren Machtbereich.

Deutschland war eines der Hauptfelder des „kalten Krieges“, in welchem keine Seite der anderen strategisch wertvolles Terrain in der Mitte Europas überlassen wollte.

Dies hatte unmittelbare Auswirkungen auf die Politik der Besatzungsmächte in Deutschland. (Frankreich spielte dabei insoweit eine Sonderrolle, als es bis etwa 1948 vordringlich ein starkes Deutschland zu verhindern suchte.)

Bereits im September 1946 rief der damalige amerikanische Außenminister, James F. Byrnes, in seiner Stuttgarter Rede dazu auf, die im Potsdamer Abkommen auferlegten Beschränkungen für die deutsche Eisen- und Stahlproduktion zu lockern und von der Entflechtung großer Industrieunternehmen und Banken Abstand zu nehmen.

Viele große Unternehmen fürchteten, ihre ehemals autarke Wirtschaft unter dem Druck der Westmächte nach den Prinzipien des freien Wettbewerbs umgestalten zu müssen und sich dem Weltmarkt zu öffnen.
Auch die Diskussion über die zukünftige außenpolitische Orientierung war eine Folge des „kalten Krieges“.

Einbindung der westlichen Besatzungszonen in internationale Institutionen

Die Politik der Westmächte war es, zumindest ihre Besatzungszonen in ein Netzwerk internationaler Institutionen einzubinden und dadurch zur Kooperation zu verpflichten.

Selbstverständlich diente dieses Konzept auch dazu, die politische Entwicklung und das wirtschaftliche Potenzial in den Westzonen zu kontrollieren.

Mit der am 16. April 1948 gegründeten „Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit“ (OEEC) wurde der erste Schritt auf dem langen Weg zur „europäischen Integration“ getan.

Der wirtschaftlichen Union wurde am 4. April 1949 mit der NATO ein nordatlantisches Verteidigungsbündnis zur Seite gestellt. Wirtschafts- und Sicherheitspolitik wurden so miteinander verknüpft.

Der Beitritt der „BRD“ zur „NATO“ erfolgte 1954 im Rahmen der Pariser Verträge. Die spätere „Bundesrepublik“ wurde am 15. Dezember 1949 vollberechtigtes Mitglied der OEEC.

Territoriale Neuordnung in den westlichen Besatzungszonen

Im September/Oktober 1945 wurden in der amerikanischen Besatzungszone scheinbar „neue Länder“ geschaffen. In der britischen Zone nahm man die territoriale Neuordnung ein Jahr später in Angriff.

Die Absicht der westlichen Besatzungsmächte war, in Deutschland eine starke Zentralgewalt zu verhindern. Obwohl durch die Neuordnung alte Bande zerschnitten wurden, erwiesen sich die „neuen Länder“ langfristig als tragfähig.

Die „Regierungschefs“ (eigentlich Verwaltungschefs) der „neu geschaffenen Länder“ in den Westzonen wurden von den Besatzungsmächten ernannt.

Unter französischem und sowjetischem Protest erfolgte am 1. Januar 1947 der Zusammenschluss der amerikanischen und der britischen Zone.

Für diese „Bizone“ wurden im Juni der ‚Verwaltungsrat‘ als exekutives und der ‚Wirtschaftsrat‘ als legislatives Gremium (Kontrollorgan) eingerichtet.

Die USA und Großbritannien waren sehr darauf bedacht, das Provisorische des Zusammenschlusses und seine ausschließlich wirtschaftlichen und administrativen Zwecke zu betonen.

Ziel war es, bis Ende 1949 die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Doppelzone herzustellen. Die Bizone sollte bis zu einer Einigung der Alliierten über die Behandlung ganz Deutschlands als Wirtschaftseinheit bestehen bleiben.

Mit den neuen Institutionen wurden der deutschen Verwaltung ein winziger Teil an Mitsprache und Mitgestaltung gewährt, auch wenn alle Entscheidungen unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Besatzungsmächte standen, wo sie noch heute (2018) stehen.

Der zur Versorgung der deutschen Bevölkerung notwendige institutionelle Wiederaufbau begann zunächst bei den Gemeinden und mittleren Verwaltungseinheiten.

Da die Besatzungsmächte die dringenden Aufgaben bei der Versorgung der deutschen Bevölkerung nicht alleine bewältigen konnten, wurden Deutsche mit deren Erfüllung beauftragt.

So entstanden sogenannte „Bürgermeister“ und „Landräte“, sowie später auch sogenannte „Ministerpräsidenten“.

Wirtschaftliche und soziale Maßnahmen der Westmächte

Durch die Wiederherstellung einer für die Selbstversorgung der Bevölkerung ausreichenden Wirtschaftskraft sollte ein Gegengewicht gegen den Einfluss der Sowjetunion geschaffen werden.

Die Bildung der Bizone sollte dazu beitragen, sowohl die Versorgungslage als auch die Beschäftigungslage der Bevölkerung zu verbessern.

Die Verschmelzung von Rohstoffvorkommen und verarbeitender Industrie in einem größeren Wirtschaftsraum sollte die Wiederbelebung von Industrieproduktion und Außenhandel ermöglichen.

Mit dem von dem amerikanischen Staatssekretär George Catlett Marshall im Juni 1947 angekündigten Europäischen Wiederaufbauprogramm sollte Europa finanziell unterstützt werden.

Dieser „Marshall-Plan“ hatte das Ziel, die westlichen Zonen weniger anfällig für die sowjetische Einflussnahme zu machen.

Der Anteil Westdeutschlands an diesem Programm betrug 1,5 Milliarden US-Dollar. Mit diesem Geld konnte die Lebensmittelversorgung verbessert und der wirtschaftliche Wiederaufbau forciert werden.

Die Unterstützung Westdeutschlands durch den Marshall-Plan war bei den westlichen Siegermächten jedoch umstritten.

Der für die amerikanische Zone zuständige Militärgouverneur, Lucius D. Clay, drückte seine Zweifel am 4. Februar 1948  wie folgt aus:

„Mit der Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen in Deutschland wird wahrscheinlich der Revanchegeist der Deutschen verstärkt aufleben, und sie werden dann noch eingehender überwacht werden müssen“. (Nun kennen Sie mal den Grundgedanken für Überwachung.)

Voraussetzung für die Wirksamkeit der Marshallplanhilfe war eine grundlegende Bereinigung der Währungsverhältnisse. Durch die Kriegswirtschaft stand eine riesige Geldmenge einem nur geringen Warenangebot gegenüber.

Am 20./21. Juni 1948 wurde in den drei Westzonen eine Währungsreform durchgeführt und damit die Vorbedingung für die wirtschaftliche Konsolidierung geschaffen.

Löhne, Gehälter, Pensionen, Renten und Mieten wurden im Verhältnis 1 zu 1 umgestellt, die meisten anderen Verbindlichkeiten 10 zu 1.

Sparguthaben wurden im Verhältnis 100 zu 6,5 abgewertet. Demgegenüber wurden die Besitzer von Sachwerten begünstigt. Das Verhältnis der DM zum Dollar wurde fixiert (3,33 DM = 1 $).

Die Sowjetunion antwortete am 24. Juni 1948 auf die Währungsreform mit der Blockade der Zugangswege zu den Westsektoren Berlins.

Mit der elf Monate andauernden ‚Berlin-Blockade‘ versuchte die Sowjetunion, die Bildung eines gegen sie gerichteten Westdeutschland zu verhindern.

Die Berlin-Blockade führte zu einer Solidarisierung der Westberliner mit den USA. Die Vereinigten Staaten von Amerika wuchsen in die Rolle einer „Schutz- und Ordnungsmacht“.

Ab dem zweiten Schusswaffenstillstand (manche sprechen von „nach dem zweiten Weltkrieg“, was jedoch mangels Friedensvertrag falsch ist) bremsten hohe Zölle von teils 40 Prozent den internationalen Warenaustausch.

Um dies zu ändern, unterzeichneten am 30. Oktober 1947 die Vertreter von 23 Ländern in Genf das „Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen“ („General Agreement on Tariffs and Trade“), kurz „GATT.

Sie schufen damit erstmalig multilaterale Regeln für den Welthandel. Zu den Gründungsmitglieder zählten unter anderen die USA und China.

Das Verwaltungsgebiet „Bundesrepublik Deutschland“ trat wenige Jahre später, im Oktober 1951, bei.

Die Vertragspartner gewährten sich gegenseitige Zollvergünstigungen und hoben handelsbeschränkende Gesetze für Waren auf.

Bereits durch die erste Welthandelsrunde wurden 45.000 Zollhemmnisse abgeschafft und die Importzölle auf 22 Prozent gesenkt.

Mit dem „GATT“ begann die Ausweitung des internationalen Handels – die eigentliche Globalisierung. Profitiert haben davon vor allem die Industrieländer. Bis 1994 traten 123 Länder dem „GATT“ bei.

Ende Teil 1

                                                                                                                                
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