Radioaktivität = Tödliches Erbe

 

Radioaktivität = Tödliches Erbe

 

Es ist das Unverantwortlichste, was jemals geschah – es ist das Katastrophalste, was jemals geschah: Die Nutzung der starken Kernkraft.

Schon bei Einführung dieses Wahnsinns war klar, dass radioaktive Spaltprodukte entstehen würden, für welche es weltweit keinen Endlagerplatz gibt.

Würde ein Kernkraftwerk explodieren oder aus anderen Gründen radioaktive Spaltprodukte freisetzen, so war ebenfalls klar, dass diese nie wieder aus der Welt zu kriegen sind, außer durch den natürlichen Lauf der Zeit.

Man wusste, dass ein solches Szenario unermessliche Schäden bei Mensch, Tier und Umwelt verursachen würde.

Man wusste, dass neben Unmengen höchst radioaktiver Spaltprodukte auch höchst giftige Transurane wie Plutonium 239 entstehen würden.

Man wusste auch, dass der radioaktive Zerfall von Plutonium 239 in etwas, was am Ende extrem breiter und extrem langer Zerfallsketten nicht mehr radioaktiv strahlt, mindestens etwa eine Milliarde Jahre an Zeit in Anspruch nehmen würde.

Trotz alledem nahm der Wahnsinn seinen Lauf und man installierte diese Todestechnologie weltweit hundertfach in vielen Ländern des blauen Juwels, mit Namen Erde.

Und warum? Was war denn so „wichtig“, dass man auf die Gesundheit und den Fortbestand des Lebens und der Menschheit schiss?

Das selbe wie immer: Baumwollzettel! Besser bekannt als GELD.

Mit der Kernenergie lässt sich nämlich viel mehr Geld einsacken, als mit Kohle, Gas oder Öl.

Leider kam es in den letzten Jahrzehnten immer wieder zu unsachgemäßer Entsorgung radioaktiver Stoffe, indem man diese anfänglich fassweise einfach in ´s Meer warf.

Außerdem kam es zu zahlreichen weiteren nuklearen Katastrophen, wie zum Beispiel die in Majak, in Tschernobyl und in Fukushima.

Die Liste von Unfällen in kerntechnischen Anlagen ist allerdings deutlich länger und nennt Unfälle, die anhand der Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES) mindestens als „Unfall“ der Stufe 4 und höher eingestuft worden sind.

Diese Liste wollen wir unseren werten Leserinnen und Lesern natürlich nicht vorenthalten.

1940 bis 1949

Los Alamos, New Mexico, Vereinigte Staaten:

21. August 1945. Harry K. Daghlian Jr. arbeitete auf dem Omega-Gelände der Atomwaffenfabrik in Los Alamos und erzeugte eine prompt überkritische Anordnung, als er versehentlich einen Wolframcarbid-Klotz auf einen etwa 6 kg schweren Plutoniumkern fallen ließ.

Obwohl er das Stück wegstieß, erhielt er bei dem Prompt Burst eine tödliche Strahlendosis und starb am 15 September. (INES: 4)

Los Alamos, New Mexico, Vereinigte Staaten:

21. Mai 1946. In der Atomwaffenfabrik in Los Alamos experimentierte der kanadische Physiker Louis Slotin im Beisein mehrerer Wissenschaftler mit demselben Plutoniumkern, der in der Folge als „Demon Core“ bezeichnet wurde, und zwei Halbkugelschalen aus Beryllium, die als Neutronenreflektoren dienten.

Slotin benutzte, um die obere Halbkugel kontrolliert abzusenken, einen Schraubendreher. Als der aus dem Spalt herausrutschte, riss Slotin die Halbkugel fort. Er erhielt dabei jedoch eine Dosis, an der er bereits am 30. Mai verstarb. (INES: 4)

Hanford Site, Washington, Vereinigte Staaten, 1949:

Das Experiment „Green Run“ sah die Freisetzung einer radioaktiven Wolke aus dem militärischen Nuklearkomplex Hanford Site vor.

Schätzungen liegen im Bereich mehrerer 100 Terrabecquerel (TBq) Jod 131 (131I) und noch mehr Xenon 133 (133Xe).

Im Normalbetrieb wurden täglich mehrere 10 TBq mittel- und langlebiger Nuklide in den Columbia River entlassen.

1950–1959

Chalk River, Kanada:

12. Dezember 1952. Der erste ernste Reaktorunfall ereignete sich im sogenannten NRX-Reaktor in den Chalk River Laboratories in der Nähe von Ottawa, Kanada.

Während eines Tests des Forschungsreaktors wurde durch Fehlbedienungen, Missverständnisse zwischen Operator und Bedienpersonal, falsche Statusanzeigen im Kontrollraum, Fehleinschätzungen des Operators und zögerliches Handeln der Reaktorkern bei einer partiellen Kernschmelze zerstört.

Dabei warf eine Knallgas-Explosion im Reaktorkern die Kuppel eines vier Tonnen schweren Helium-Gasbehälters 1,2 m hoch, wodurch sie im Aufbau stecken blieb.

Durch die Explosion wurden mindestens 100 TBq an Spaltprodukten in die Atmosphäre freigesetzt.

Bis zu vier Millionen Liter mit etwa 400 TBq langlebigen Spaltprodukten radioaktiv kontaminiertes Wasser wurden aus dem Keller des Reaktorcontainment in eine sandige Sickergrube gepumpt, um eine Kontaminierung des nicht weit entfernten Flusses Ottawa zu verhindern.
Der beschädigte Reaktorkern wurde vergraben. Der spätere US-Präsident Jimmy Carter, damals Nukleartechniker in der Navy, half bei den mehrere Monate dauernden Aufräumarbeiten. Der Reaktor ging zwei Jahre später wieder in Betrieb. (INES: 5)

Idaho Falls, Idaho, Vereinigte Staaten:

29. November 1955. In der National Reactor Testing Station Idaho erlitt der Forschungsreaktor EBR-I eine partielle Kernschmelze.

Der Kern aus angereichertem Uran in Verbindung mit 2 % Zirconium schmolz bei Versuchen, die eine schnelle Steigerung der Leistung vorsahen, weil sich Brennstoffröhren verzogen.

Durch Verdunstung des Kühlmittels NaK wurde der schmelzende Brennstoff in die Röhren des Kühlsystems transportiert und die Kritikalität unterschritten, wodurch sich der Reaktor selbst abschaltete. (INES: 4)

Kyschtym, Sowjetunion:

29. September 1957. Auch bekannt als Unfall von Majak. Die dortige Wiederaufarbeitungsanlage lagerte ihre Abfallprodukte in großen Tanks.
Durch den radioaktiven Zerfall der Stoffe entsteht Wärme, weswegen diese Tanks ständig gekühlt werden müssen.

Nachdem im Laufe des Jahres 1956 die Kühlleitungen eines dieser jeweils 250 m³ fassenden Tanks undicht geworden waren, und deshalb die Kühlung abgestellt wurde, begannen die Inhalte dieses Tanks zu trocknen.

Ausgelöst durch einen Funken eines internen Messgerätes explodierten die enthaltenen Nitratsalze und setzten große Mengen an radioaktiven Stoffen frei.

Da die kontaminierte Wolke bodennah blieb, entsprach die Belastung der Gegend um das russische Kyschtym nahezu der doppelten Menge des Tschernobyl-Unfalls.

Da die Kontamination sich auf den Ural beschränkte, schlugen Messgeräte in Europa keinen Alarm (vgl. Tschernobyl-Unfall), wodurch der Unfall vor der Weltöffentlichkeit 30 Jahre lang geheim gehalten werden konnte. (INES: 6)

Windscale bzw. Sellafield, Großbritannien:

7. bis 12. Oktober 1957. Im Kernreaktor Pile No. 1 in Windscale (heute Sellafield) heizten Techniker den Reaktor an, um die sogenannte „Wigner-Energie“ aus dem als Moderator dienenden Graphit zu glühen.
Bei dem Reaktor handelte es sich um einen von zwei luftgekühlten und graphitmoderierten Reaktoren.

Sie wurden mit Natururan betrieben, durch einen von riesigen Lüftern erzeugten Luftstrom gekühlt und dienten dazu, Plutonium für Atomwaffen herzustellen – also Nutzung einer Todestechnologie, um furchtbarste todbringende Waffen herzustellen. Klingt krank, pervers und abartig. Ist es auch!

Am Morgen des 7. Oktober 1957 wurde der Reaktor kontrolliert heruntergefahren und die Luftkühlung abgestellt. Der Reaktor wurde danach im unteren Leistungsbereich wieder angefahren. Die Techniker stellten einen Temperaturabfall anstelle eines Temperaturanstiegs fest.
Um die „Wigner-Energie“ schneller abführen zu können, wurde der Reaktor am nächsten Tag in einen nicht erlaubten Leistungsbereich gefahren.

Die Techniker saßen einem Trugschluss auf: Im normalen Betrieb traten die Temperaturspitzen an ganz anderen Orten auf als während des Ausglühens.

An diesen Orten befanden sich jedoch keine Messfühler, und so begann der Graphit dort, zunächst unbemerkt, zu brennen.

Die Luftfilter hielten dem Feuer nur kurze Zeit stand. Danach konnte die Radioaktivität ungehindert durch die Abluftkamine nach außen gelangen.

Blaue Flammen schlugen aus dem hinteren Bereich des Reaktors. 750 TBq gelangten in die Atmosphäre. Das Feuer brannte vier Tage und verbrauchte einen Großteil des Graphitmoderators.

Die Techniker konnten nur einen Teil der Kernbrennstäbe aus dem brennenden Bereich des Reaktors stoßen. So schlugen sie eine Feuerschneise, indem sie benachbarte Stäbe herausstießen.

Als letzte Konsequenz wurde der Reaktor mit Wasser geflutet. Die Flutung war äußerst gefährlich, denn das Wasser hätte durch die hohe Temperatur zu Knallgas aufgespalten werden können. Dies hätte zu einer Explosion geführt.

Glücklicherweise erstickte das Wasser jedoch das Feuer. Große Mengen radioaktiver Gase entwichen in die Atmosphäre. Diese waren vor allem Jod, Krypton und Xenon.

Die Milcherzeugung in einem Gebiet von 520 km² wurde verboten. Bald nach der Zerstörung von Reaktor 1 durch den Unfall, wurde Reaktor 2 ebenfalls stillgelegt, als man erkannt hatte, dass eine sichere Abführung der „Wigner-Energie“ konstruktionsbedingt unmöglich ist.

Mit der Demontage der abgeschalteten Reaktoren wurde 1993 begonnen. Der Unfall wurde später für Dutzende von Krebstoten verantwortlich gemacht. (INES: 5)

Los Alamos, New Mexico, Vereinigte Staaten:

30. Dezember 1958. Ein Kritikalitätsunfall ereignete sich bei der Extraktionsarbeit mit einer plutoniumhaltigen Lösung im Los Alamos Scientific Laboratory in New Mexico.

Der Operator starb an akuter Strahlenkrankheit. Nach diesem Unfall wurde bei der Arbeit mit kritischen Massen in den USA endgültig zur Verwendung von Manipulatoren übergegangen.

Bis dahin war trotz der Kritikalitätsunfälle in den 1940er Jahren Handarbeit im Umgang mit Plutonium verbreitet. (INES: 4)

Simi Valley, Kalifornien, Vereinigte Staaten:

26. Juli 1959. Im Santa Susana Field Laboratory in Kalifornien, das einen natriumgekühlten Schnellen Brüter mit 7,5 MWe betrieb, ereignete sich in diesem Reaktor aufgrund eines verstopften Kühlkanals eine 30-prozentige Kernschmelze.

Der Großteil der Spaltprodukte konnte abgefiltert werden. Die radioaktiven Gase wurden jedoch größtenteils an die Umwelt freigesetzt, was eine der größten Jod 131-Freisetzungen in der Nukleargeschichte bedeutete. Der Unfall wurde lange Zeit geheim gehalten. (INES: 5–6)

Knoxville, Tennessee, Vereinigte Staaten:

20. November 1959. In der radiologisch-chemischen Fabrik Oak Ridge National Laboratory in Tennessee gab es während der Dekontamination der Arbeitsanlagen eine chemische Explosion.

Es wurden insgesamt 15 Gramm Plutonium 239 freigesetzt. Dieses verursachte bei der Explosion eine erhebliche Kontaminierung des Gebäudes, der angrenzenden Straßen und der Fassaden von angrenzenden Gebäuden.

Man glaubt, dass die Explosion durch den Kontakt von Salpetersäure mit phenolhaltigen Dekontaminierungsflüssigkeiten ausgelöst wurde.

Ein Techniker hatte vergessen, einen Verdampfer mit Wasser zu reinigen und so frei von Dekontaminierungsflüssigkeiten zu machen.

Flächen, die nicht dekontaminiert werden konnten, wurden mit einer auffälligen Warnfarbe gekennzeichnet oder einbetoniert.

Die Behörden von Oak Ridge begannen, im Umgang mit radioaktiv-chemischen Materialien ein Containment zu benutzen. (INES: 3–4)

1960–1969

Idaho Falls, Idaho, Vereinigte Staaten:

3. Januar 1961, 21:01 Uhr. In der National Reactor Testing Station Idaho wurde bei Wartungsarbeiten der über Weihnachten abgeschaltete Prototyp eines militärischen Siedewasser-Reaktors, der SL-1, für wenige Millisekunden prompt überkritisch und setzte in dieser Zeit etwa das 6000fache der Leistung frei, für welche die Anlage ausgelegt war.

Bevor durch Bildung von Dampfblasen die Reaktivität sinken konnte (siehe Dampfblasenkoeffizient), zerlegten sich schon die Brennelemente des kleinen Reaktorkerns aus hoch angereichertem Uran (90 %).

Die den Kern umgebende, zwei Meter hohe Wassersäule prallte mit ca. 9 Metern/Sek. gegen den Reaktordeckel – der Wasserspiegel war für die Wartungsarbeiten etwas gesenkt worden und ließ den gesamten, 12 Tonnen schweren Kessel um fast drei Meter bis zur Geschossdecke emporschnellen, wodurch der Steuerstab wieder vollständig hineingedrückt wurde.

Die Feuerwehr, durch Temperatursensoren an der Decke alarmiert, fand zunächst alles friedlich, bis auf die abschreckend hohe Strahlung hinter der Tür zum Treppenaufgang.

Als die drei mit den Wartungsarbeiten betrauten Soldaten vermisst blieben, drang man mit Schutzanzügen zur Arbeitsebene über dem Reaktor vor.

Einer der drei Arbeiter war von einer herausschießenden Hülse gepfählt und an die Decke genagelt worden- die anderen lagen auf dem Boden.
Einer der beiden wurde noch lebend geborgen. Er erlag aber zwei Stunden nach dem Unfall seiner Kopfverletzung.

Selbst nackt strahlte der von Splittern durchsiebte Körper noch mit fünf Sievert pro Stunde.

Die Rettungskräfte waren nach je einer Minute abgelöst worden. 22 von ihnen erhielten Strahlendosen im Bereich von 30 bis 270 mSv.

Jod 131 verbreitete sich über das Betriebsgelände hinaus. (INES: 4)

Das Reaktorgebäude wurde vollständig zerlegt und in der Nähe vergraben.

Als Konsequenz aus diesem Unfall – der bisher einzigen Prompt Burst (Leistungsexkursion) in einem US-Kernkraftwerk – wurden keine Reaktoren mehr gebaut, die durch das vollständige Ziehen eines einzigen Steuerstabes prompt überkritisch werden konnten.

Charlestown, Rhode Island, Vereinigte Staaten:

24. Juli 1964. In einer Fabrik für nukleare Brennelemente in Charlestown starb ein Mann an einer tödlichen Strahlendosis, als eine flüssige Uranlösung, mit der er hantierte, kritisch wurde. (INES: 4)

Belojarsk, Sowjetunion:

Von 1964 bis 1979 ereignete sich eine Serie von Zerstörungen an Brennstoffkanälen in Reaktor 1 des Belojarsker KKW.

Bei jedem dieser Unfälle wurde das Personal einer erheblichen Strahlenbelastung ausgesetzt. (INES: 4)

Melekess, nahe Nischnii Nowgorod (Gorki), Sowjetunion:

7. Mai 1966. Im Atomic Reactor Research Institute Melekess ereignete sich in einem experimentellen Siedewasserreaktor (VK-Reaktor) eine Leistungsexkursion durch schnelle Neutronen. Der Operator und der Schichtleiter erhielten hohe Strahlendosen. (INES: 3–4)

Monroe, Michigan, Vereinigte Staaten:

5. Oktober 1966. Eine Fehlfunktion des Natrium-Kühlsystems im Enrico Fermi demonstration nuclear breeder reactor (schneller Brüter) am Ufer des Eriesees führte zu einer partiellen Kernschmelze.

Der Reaktorkern enthielt 105 aus Zirconium-verkleideten Stiften bestehende Brennelemente.

Der Unfall wird einem Stück Zirkonium zugeschrieben, das einen Flussregler im Natrium-Kühlsystem blockierte.

Mitarbeitern gelang es, den Reaktor manuell abzuschalten. Zwei der 105 Brennelemente schmolzen.

Es wurde noch Wochen später eine Rekritikalität befürchtet. Der 60-MWe-Reaktor lief im Oktober 1970 wieder mit voller Leistung.
Dieser Vorfall lieferte die Grundlage für das Buch „We Almost Lost Detroit“ von John G. Fuller. (INES: 4)

Lucens, Schweiz:

21. Januar 1969. Beim Versagen des Kühlsystems eines experimentellen Reaktors im Versuchsatomkraftwerk Lucens (VAKL) im Kanton Waadt gab es im Reaktor (der ähnlich wie der NRX-Reaktor aufgebaut war) eine partielle Kernschmelze.

Anfang des Jahres 1968 gab es eine Prüfung des mit einer Leistung von 8 MW Energie produzierenden Reaktors.

Im April/Mai wurde er in Betrieb genommen, allerdings anschließend bis Januar des nächsten Jahres wieder abgeschaltet.

Während dieses Stillstandes lief externes Wasser über eine defekte Gebläse-Dichtung in den Kühlkreis des Reaktors. Die aus Magnesium bestehenden Brennstab-Umhüllungsrohre korrodierten.

Als der Reaktor im Januar 1969 wieder in Betrieb genommen wurde, behinderten die Korrosionsprodukte die Kühlung.

Der Brennstoff überhitzte und mehrere Brennstäbe schmolzen. Ein ganzes Bündel Brennstäbe geriet in Brand und brachte den Moderatortank zum Bersten.

Kohlendioxid (Kühlmittel) und Schweres Wasser (Moderator) traten in die Reaktorkaverne aus.

Da die erhöhte Radioaktivität bereits etwas früher gemessen wurde, konnte das Kraftwerk evakuiert und die Kaverne isoliert werden.

Es wurde in der Fels-Kaverne anfänglich eine Dosisleistung von ca. 1 Sievert pro Std. Radioaktivität gemessen, wobei eine geringe Menge davon durch „zwei sehr kleine undichte Stellen“ in die Umgebung gelangte.

Einige Tage später wurde der gesamte Gasinhalt der Kaverne „kontrolliert über Filter“ in die Umgebung abgegeben.

Die radioaktiven Trümmer konnten erst Jahre später aus dem Stollensystem geräumt werden.

Die Kaverne enthielt nach wie vor eine Menge radioaktiven Materials, wurde aber so verschlossen, dass vorerst keine Strahlung in die Umwelt gelangen konnte.

Die Aufräumarbeiten dauerten bis Mai 1973. Die Trümmer wurden in versiegelten Behältern auf dem Gelände gelagert, bis sie 2003 in ´s zentrale Zwischenlager in Würenlingen (Zwilag) abtransportiert wurden. (INES: 4–5)

Rocky Flats, Colorado, Vereinigte Staaten:

11. Mai 1969. In einem Container mit 600 t feuergefährlichem Material kam es zu einer spontanen Entzündung von Plutonium. Das Feuer verbrannte 2 Tonnen des Materials und setze Plutoniumoxid frei.

Durch die Entnahme von Bodenproben im Umfeld der Anlage stellte man fest, dass die Gegend mit Plutonium kontaminiert wurde.

Da sich die Betreiber der Anlage weigerten, Untersuchungen einzuleiten, wurden die Proben im Rahmen einer nicht offiziellen Untersuchung entnommen. (INES: 4–5)

1970–1979

Windscale bzw. Sellafield, Großbritannien, 1973:

In der Wiederaufarbeitungsanlage kam es in einem für Reparaturen entleerten Becken beim Wiederauffüllen mit Wasser aufgrund heißer Radionuklide am Beckenboden zu einer exothermen Reaktion.

Hierdurch wurden ein Teil der Anlage sowie 35 Arbeiter radioaktiv kontaminiert.

Aufgrund der internen Kontamination und offenbar auch einer gewissen Freisetzung wurde dieser Unfall mit INES 4 eingestuft.

Leningrad, Sowjetunion:

6. Februar 1974. Aufgrund siedenden Wassers ereignete sich ein Bruch des Wärmetauschers im Block 1 des Kernkraftwerk Leningrad. Drei Menschen starben.

Hochradioaktives Wasser aus dem Primärkreislauf zusammen mit radioaktivem Filterschlamm wurde in die Umwelt freigesetzt. (INES: 4–5)

Leningrad, Sowjetunion:

Im Oktober 1975 ereignete sich eine teilweise Zerstörung des Reaktorkerns in Block 1 des Leningrader KKW. Der Reaktor wurde abgeschaltet.

Am nächsten Tag wurde der Kern gereinigt, indem eine Notreserve Stickstoff hindurchgepumpt und durch den Abluftschornstein abgeblasen wurde. Dabei wurden ca. 1,5 Megacurie, oder auch 55 Petabecquerel (PBq) an radioaktiven Substanzen an die Umwelt abgegeben. (INES: 4–5)

Belojarsk, Sowjetunion, 1977:

Bei einem Unfall schmolzen 50 % der Brennstoffkanäle des Blocks 2 vom Belojarsker KKW, einem Druckröhrenreaktor ähnlich dem RBMK.

Die Reparatur dauerte etwa ein Jahr. Das Personal wurde hohen Strahlenbelastungen ausgesetzt. (INES: 5)

Jaslovské Bohunice, Tschechoslowakei:

Februar 1977. In dem mit einem Druckröhrenreaktor ausgestatteten ersten slowakischen Kernkraftwerk Bohunice A-1 kam es zu einem Unfall.

Beim Beladen mit frischen Brennelementen überhitzten einige davon. Die Reaktorhalle wurde kontaminiert (INES: 4). Der Reaktor wurde nach dem Unfall stillgelegt.

Belojarsk, Sowjetunion:

31. Dezember 1978. Im Turbinenhaus des Block 2 vom Belojarsker KKW stürzte eine Deckenplatte auf einen Turbinenöltank und verursachte einen Großbrand.

8 Personen erlitten hohe Strahlendosen beim Organisieren der Reaktornotkühlung. (INES: 3–4)

Three Mile Island, Pennsylvania, Vereinigte Staaten:

28. März 1979. In einem Kernkraftwerk bei Harrisburg führten Versagen von Maschinenteilen und Messsignalen sowie Bedienungsfehler der Mannschaft zum Ausfall der Reaktorkühlung, wodurch es zur partiellen Kernschmelze (50 % des Kerns) und Freisetzung von 90 TBq an radioaktiven Gasen kam.

Dieser Unfall ist bis heute der schwerste in einem kommerziellen Reaktor in den USA und wurde von der IAEO mit INES 5 eingestuft.

1980–1989

Saint-Laurent, Frankreich, 1980

Das Teil-Schmelzen einiger weniger Brennelemente führte zu einer Kontamination des Reaktorgebäudes. (INES: 4)

Erster Unfall Tschernobyl, Sowjetunion:

September 1982. Im Block 1 des KKW Tschernobyl wurde durch Fehler des Personals ein Brennstoffkanal in der Mitte des Reaktors zerstört.
Eine große Menge radioaktiver Substanzen wurden über den industriellen Bereich der Kernkraftanlage und die Stadt Prypjat verteilt.

Das Personal, das mit der Liquidation der Konsequenzen dieses Unfalls beschäftigt war, erhielt hohe Strahlendosen. (INES: 5)

Buenos Aires, Argentinien, 1983:

Durch das Vernachlässigen von Sicherheitsregelungen starb ein Operator während einer Modifikation des Reaktorkerns eines Forschungsreaktors.
Er befand sich nur wenige Meter entfernt und erhielt mit ca. 20 Gy eine tödliche Strahlendosis. (INES: 4)

Wladiwostok, Sowjetunion:

10. August 1985 – In der Chazhma-Bucht nahe Wladiwostok ereignete sich ein ernster Unfall nach dem Brennelementwechsel des atomgetriebenen U-Bootes K-31 (K-431).

Am nächsten Tag war der Reaktorkern wieder mit dem moderierenden Kühlwasser geflutet und deshalb kritisch.

Trotzdem wurde der Reaktordeckel samt Steuerstäben wieder angehoben, um eine Undichtigkeit zu beheben. Es kam zu einer spontanen Kettenreaktion.

Das Kühlwasser explodierte, schleuderte den 12 Tonnen schweren Deckel und die Innereien des Reaktors auf die Pier und beschädigte auch die Druckhülle des U-Bootes.

Zehn Menschen starben an einer tödlichen Neutronendosis, weitere 29 Menschen erhielten hohe Strahlendosen.

Die schwach radioaktive Wolke reichte nur wenige Kilometer weit, da das Inventar frisch war. (INES: 5)

Gore, Oklahoma, Vereinigte Staaten:

6. Januar 1986. In der Wiederaufarbeitungsanlage Kerr-McGee in Gore, Oklahoma zerbrach ein Zylinder mit nuklearem Material nach unzulässiger Erhitzung.

Ein Arbeiter starb, 100 mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. (INES: 2–4)

Tschernobyl, Sowjetunion:

26. April 1986 – Bei einem Super-GAU (INES: 7) im Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl in der Ukraine kam es zu einer Kernschmelze und in deren Folge zu Explosionen.

Große Mengen Radioaktivität wurden durch Freilegung und Brand des Reaktorkernes freigesetzt. Die Umgebung wurde stark kontaminiert.
Darüber hinaus gab es zahlreiche direkte Strahlenopfer unter den Hilfskräften.

Der Super-GAU konnte durch Radioaktivitätsmessungen und Fallout in Schweden und anderen europäischen Ländern nachgewiesen werden.

Es wurde ein großräumiges Sperrgebiet eingerichtet und das Gebiet evakuiert.

Die Anzahl der geschädigten Personen schwankt je nach Studie erheblich.

1990–1999

Sewersk, Russland:

6. April 1993 – In der Kerntechnischen Anlage Tomsk sind in der Wiederaufarbeitungsanlage (vor allem genutzt für die Produktion von waffenfähigem Plutonium) durch einen Unfall große Mengen kurzlebiger radioaktiver Stoffe freigesetzt worden.

Infolgedessen wurden einhundert Quadratkilometer im Gebiet Sewersk (auch als Tomsk-7 bekannt) kontaminiert. (INES: 2–4)

Tōkai-mura, Japan:

30. September 1999. In einer Brennelemente-Fabrik in Tōkai-mura (Japan) befüllten Arbeiter einen Vorbereitungstank mit 16,6 kg Urangemisch (statt den vorgeschriebenen 2,3 kg).

Daraufhin setzte eine unkontrollierte Kettenreaktion ein und Strahlung trat aus.

Die Zahl der Menschen, die erhöhte Strahlendosen erhielten, wird mit 35 bis 63 angegeben. Drei Arbeiter waren einer besonders hohen Radioaktivität von bis zu 17 Sievert ausgesetzt.

Ca. 300.000 Anwohner wurden aufgefordert, ihre Häuser nicht zu verlassen. Dieser Unfall wird von offizieller Seite mit INES 4, von einigen unabhängigen Wissenschaftlern aber mit INES 5 bewertet.

Der Arbeiter Hisashi Ōuchi, der einer Strahlendosis von mutmaßlich 16 bis 20 Sievert ausgesetzt war, verstarb am 21. Dezember 1999 im Alter von 35 Jahren an Leberversagen.

Am 27. April 2000 verstarb mit Masato Shinohara (40) ein weiterer Arbeiter. Er war vermutlich einer Strahlung von 6 bis 10 Sievert ausgesetzt.

2000–2009

Fleurus, Belgien:

11. März 2006. In einer Bestrahlungsanlage zur Herstellung radiopharmazeutischer Produkte beim Institut national des radio-éléments (IRE) wurde aufgrund eines Hydraulikversagens eine Kobalt-Quelle aus einem strahlenabschirmenden Wasserbecken gehoben, obwohl kein Bestrahlungsvorgang stattfand und die Tür zum Raum offenstand.

Aufgrund des ausgelösten Alarms betrat ein Angestellter den Raum. Während seines Aufenthaltes von nur 20 Sekunden erhielt er eine Strahlendosis von rund 4,6 Sievert. (INES 4)

(Unfälle in rein medizinischen Anlagen werden gewöhnlich nicht INES-klassifiziert. Beim IRE handelt es sich aber um eine kerntechnische Anlage.)

Seit 2010

Fukushima, Japan:

11. März 2011. Aufgrund von Schäden bei der Stromversorgung und an Kühlsystemen, die durch das große Tōhoku-Erdbeben vom 11. März 2011 und den folgenden Tsunami verursacht wurden, kam es in drei Reaktoren und zwei Abklingbecken des Kernkraftwerks Fukushima-Daiichi (Fukushima I) zur Überhitzung der Brennelemente.

Es ereigneten sich mehrere Explosionen: In Block 1 am 12. März, in Block 3 am 14. März, und in den Blöcken 2 und 4 am 15. März.

Bei diesen Explosionen wurden bei Block 1 und 3 die äußeren Gebäudehüllen stark beschädigt und radioaktives Material freigesetzt.

Zudem brachen in den Blöcken 3 und 4 mehrere Brände aus und setzten große Mengen radioaktiver Stoffe frei.

Zur behelfsmäßigen Kühlung wurde in die Reaktorkerne von Block 1, 2 und 3 zunächst Reinwasser, dann mit Borsäure versetztes Meerwasser und schlussendlich wieder Reinwasser eingepumpt.

Auch in die betroffenen Abklingbecken wurde Wasser von außen her nachgeführt.

Vonseiten der japanischen Regierung wurden in mehreren Schritten Evakuierungsmaßnahmen mit einem Radius von zuletzt 20 km angeordnet, von denen zunächst etwa 80.000 Menschen betroffen waren.

In einem Umkreis von 30 km wurde den Bewohnern empfohlen, sich nicht ins Freie zu begeben (dies betraf 200.000 Menschen) und Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Die USA empfahlen wenige Tage nach der ersten Explosion eine Evakuierungszone von 80 km.Davon wären ca. 2 Mio. Menschen betroffen gewesen.

Später wurde aufgrund gemessener Bodenkontamination ein weiterer Bereich bis 30 km im Nordwesten des Werks evakuiert.

Die Ereignisse in den Blöcken 1 bis 3 wurden von der sogenannten „Japanischen Atomaufsichtsbehörde (NISA)“ am 18. März 2011 vorläufig der Stufe INES 5 zugeordnet, am 12. April 2011 jedoch auf die höchstmögliche Stufe INES: 7 hochgestuft.

Erhebliches Interesse der nationalen und internationalen Medien inkl. Filmmaterial der Explosionen in zwei Reaktorgebäuden sowie eine höhere Einstufung durch ausländische Einrichtungen hatten die japanische Regierung zuvor unter Zugzwang gesetzt.

Der Kraftwerksbetreiber Tepco räumte schließlich „teilweise Kernschmelzen“ in den Reaktoren 1 und 3 ein, später auch in Reaktor 2.

Bei dieser, bzw. bei diesen gleich mehreren nuklearen Katastrophen dürften die wohl bisher größten Mengen an Radioaktivität freigesetzt worden sein.

Die radioaktive Wolke zog über den Pazifik zum nordamerikanischen Kontinent.

Schon seit Jahren und noch heute laufen in Fukushima täglich mehrere hundert Tonnen hochradioaktives Wasser in den Pazifik, was mittlerweile zur Kontamination des gesamten Pazifiks geführt hat.

In Tschernobyl bastelt man unterdessen noch immer an dem neuen Sarkophag (Save Confinement) herum, der eigentlich schon im Jahre 2015 fertiggestellt sein sollte (siehe Video).

 

 

Einen höchst ausführlichen Artikel über die Tschernobyl-Katastrophe finden Sie hier: „KLICK“

Das tödliche Erbe des Kernkraftwahnsinns wird von Generation zu Generation weitervererbt werden.

Noch in hunderten Millionen Jahren werden die Menschen Schäden des atomaren Wahnsinns sehen können, immer vorausgesetzt, dass von der Menschheit dann überhaupt noch etwas übrig geblieben ist.

                                                                                                                                
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2 Antworten zu Radioaktivität = Tödliches Erbe

  1. Berni sagt:

    Danke euch allen vom NTA-Team für diese ausführliche Info.

    Es macht mich komplett sprachlos, wütend und traurig.
    Es fällt mir unheimlich schwer die richtigen Worte zu finden.

    News Top-Aktuell:

    Das geht uns auch des öfteren so, dass es uns schwer fällt, die richtigen Worte zu finden, doch dann fällt uns immer wieder etwas ein, um gewisse Dinge treffend zu beschreiben.

    Schönes Wochenende für euch.

    LG
    Berni

    News Top-Aktuell:

    Vielen Dank. Haben auch Sie ein schönes Wochenende und liebe Grüße wie immer auch von uns, für Sie.

  2. karolwojci sagt:

    Ich bin zur Zeit dabei das Thema Atomkraft mit seiner schädlichen Wirkung auf Mensch und Umwelt in einem Blog großflächig zu bearbeiten. Falls wer Interesse hat: *link ausgeblendet*

    News Top-Aktuell:

    Ihren link mussten wir wegen Mangel an Inhalt leider ausblenden. Arbeiten Sie erst einmal an Ihrem Projekt. Wenn dort etwas mehr Inhalt zu finden ist, schauen wir uns das gern erneut an.

    Wir wünschen frohes Schaffen.

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